13 gerettet, 133 ertrunken

Politik
Lara Langer / 12.07.2018
Rettungsboote Küste

Am 23. Juni begann das Drama bei dem schon nach wenigen Tagen die ganze Welt mit angehaltenem Atem zusieht. In Thailand steigen 12 Jungen und ihr Fußballcoach nach dem Training in die Tham-Luang-Höhle. Eine überraschende Sturzflut lässt das Wasser in der Höhle ansteigen und versperrte ihnen den Weg nach draußen. Die Rettungsaktion wird von den anhaltenden Regenfällen und der Beschaffenheit der Höhle erschwert, die Thai-Navy-TaucherInnen bekommen Verstärkung aus aller Welt, von Großbritannien, Australien, Dänemark, China und USA werden die besten Höhlentaucher zur Hilfe gesandt. Am 14. Tag kommt einer der Retter ums Leben. Schließlich gelingt am 8. Juli die Rettung der ersten vier Buben, zwei Tage später, am 18. Tag sind schließlich alle 13 Personen sicher aus der Höhle geborgen. 1000 Einsatzkräfte, 90 TaucherInnen und freiwillige HelferInnen aus der ganzen Welt waren an der Rettungsaktion beteiligt, die Aktion ist in allen Schlagzeilen und auf jedem Titelblatt, im thailändischen Chiang Rai versammeln sich vor dem Krankenhaus, in dem sich die Buben befinden, Menschen um zu jubeln und zu feiern.

Knapp zwei Wochen davor, am 10. Juni weigert sich Italiens Innenminister Matteo Salvini, dass das Rettungsschiff Aquarius mit 629 Personen an Bord, in Italien anlegt. Ende Juni schließt Italien seine Häfen für Schiffe von Hilfsorganisationen, danach will Salvini auch die Schließung der Häfen für internationale Einsatzschiffe durchsetzen. Der Chef der rechten Partei Lega sieht ein massives Problem, obwohl die Zahl der MigrantInnen um 80% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist. Nicht nur die Häfen wurden gesperrt, es wurde auch die italienische Küstenwache von der libyschen Küste zurückgezogen. Laut UNHCR ist damit für MigrantInnen die Wahrscheinlichkeit auf der Überfahrt zu sterben von 1:38 auf 1:7 gestiegen. Von mehreren hundert Flüchtlingen, die vor Libyens Küste seit der Schließung der Häfen ertrunken sein sollen, ist die Rede, seit Jänner seien mehr als 1400 Menschen im Mittelmeer gestorben.

Also sind statistisch gesehen in den 18 Tagen des Dramas in Thailand, circa 133 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Wahrscheinlich mehr, da sich die Zahl mit der Schließung der Häfen und dem Abzug der Küstenwache erhöht hat. Während also die Augen auf Thailand gerichtet waren und mehr als 1000 Menschen an der Rettung von 13 beteiligt waren, sind mehr als 133 Schiffsbrüchige im Meer gestorben - und alle schauen weg.

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Das soll nicht heißen, dass es nicht tragisch war, dass in Thailand 13 Personen mehr als zwei Wochen lang in einer Höhle eingeschlossen waren oder dass es nicht eine wunderbare Nachricht ist, dass sie gerettet wurden. Die Würde eines Menschen ist unantastbar und nicht teilbar, die 13 Menschenleben können und sollen also gar nicht gegen die 133 abgewogen werden. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Trotzdem wird von Schiffsbrüchigen mehr von Problemen als von Menschen gesprochen. Trotzdem wird zugesehen, wie Menschen auf unsichere Boote steigen, wissentlich dass jede/r Siebte ertrinken wird. Politiker sprechen davon, ihre Grenzen besser zu schützen. Schützen vor Menschen, die ein Recht auf ein würdevolles Leben haben, genau wie jede/r andere?

Mehrere tausende Menschen demonstrierten schon gegen die Schließung der Häfen, nicht nur in Italien sondern auch in Deutschland. Auf einem Plakat ist zu lesen: „ Ich kann es nicht glauben, dass ich dagegen protestieren muss, Menschen ertrinken zu lassen“. Bei Unterlassen der Hilfeleistung, die den Tod eines Menschen zur Folge hat, ist in Österreich mit einem Jahr Freiheitsstrafe zu rechnen. Wer sitzt die Strafe für die Toten des Mittelmeers ab?

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 25.06.2019 bearbeitet.

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