Auf Selfie-Sinnsuche

Leben
Mona Harfmann / 01.06.2016
2 Mädls mit Handy beim Selfie-Schießen

Wir kennen sie alle, die sozialen Netzwerke. Und das vermutlich besser als jede/r Erwachsene. Facebook, Snapchat, Instagram. Die meisten von uns haben mit ihnen den größten Teil ihrer Jugend verbracht und sind mit dieser Form, unsere bedeutsamsten (oder auch weniger bedeutsamen) Erlebnisse zu teilen, groß geworden. 

Aber bei vielen Eltern stößt diese Art des Austausches zwischen Jugendlichen auf Verwirrung.
„Wo hast du diesen Jungen nochmal kennengelernt?“, erkundigte sich meine Mutter neulich und ich versuchte recht verzweifelt zu erklären, dass es sich keineswegs um eine Partnervermittlungsagentur, sondern die „ganz normale“ Applikation Instagram handelt.
„Ja, sicher habe ich dort ein Profil mit Fotos von mir“, erklärte ich genervt. „Aber nicht, um für mich zu werben.“
„Warum dann?“ Eine durchaus berechtigte Frage. Warum genau mache ich das dann?

Ich scrolle durch die verschiedensten Profile. Bei so gut wie jedem von ihnen (eingeschlossen mir selbst) finde ich einige der berühmt-berüchtigten Selfies. Bei den Mädchen lange, perfekt positionierte Haare, eine möglichst helle Belichtung und ein wunderbares Hollywood-Lächeln. Nicht gestellt, versteht sich.
Wenn ich genau darüber nachdenke, kann ich nicht exakt sagen, weshalb ich sie mache, die Selfies. Vielleicht, um zu schreien: „Heute habe ich einen guten Tag und sehe für meine Verhältnisse sogar ganz okay aus! Und für den Aufwand, den ich in diese Haare gesteckt habe, möchte ich zumindest ein bisschen Anerkennung gezollt bekommen.“ Unter den meisten der Bilder steht auch ein dramatischer, aus mir unerklärlichen Gründen fast immer englischer Spruch. Vermutlich, weil es einfach besser klingt. Wir Jugendlichen haben uns außerdem auf eine Art Sprache geeinigt, die wir alle verstehen. Eine Geheimsprache aus Whatsapp-Emojis.

Die Social – Media Freundschaften

Ich scrolle durch die Liste meiner Facebook-Freunde und bin schockiert, als ich feststelle, wie wenige von ihnen ich tatsächlich kenne. Und wie wenigen ich jemals im echten Leben begegnet bin. Trotzdem bin ich seit Anbeginn meiner Facebook-Zeit mit ihnen befreundet und fühle mich ihnen tatsächlich irgendwie verbunden. Ich habe ja über die Jahre auch mitbekommen, wie sich ihre virtuellen Personen entwickelt haben. Und über Umwege sind wir ja eh befreundet. Man muss sich ja nur die gemeinsamen Freunde anschauen. Mindestens hundert!

Aber ist unsere Generation wirklich so oberflächlich, wie diese Analyse meines virtuellen Freundeskreises suggerieren mag? Oder hat diese veränderte Möglichkeit, heutzutage mit so gut wie jedem auf sehr einfache und schnelle Weise in Kontakt zu treten auch Vorteile?

Instagramlink als Visitenkarte

Was früher mal die Telefonnummer war, ist heute der Instagram-Name. Tagelang versuchen wir nach Konzerten oder Partys den Instagram Namen des netten Typen von letztens zu finden, der uns doch ganz eindeutig angelächelt hat! Und manchmal funktioniert es sogar. Egal ob es jetzt der Schwarm, die Freundin oder der Freund eines Freundes ist, man kann beinahe völlig ungehemmt mit jedem Kontakt aufnehmen und auch in Kontakt bleiben. Egal, wo man lebt oder unter welchen Umständen man diese Person kennengelernt hat.

Vielleicht liegt es also einfach an uns, uns den Vor- und Nachteilen der sozialen Medien bewusst zu sein und sie auch dementsprechend zu Nutzen. Ihren Namen haben sie ja nicht umsonst bekommen – und sind ihm auch, zumindest in der Theorie, oft genug gerecht geworden.

Wird also Zeit, dass wir mal gründlich reflektieren über unser Bündnis zwischen der langjährigen, treuen Bilder-Likerin kathi_xoxo auf Instagram und der Frage, ob wir sie immer noch an unserem Leben teilhaben lassen wollen. Denn wie wir unseren Freundeskreis gestalten und an was wir ihn virtuell Anteil haben lassen, hängt vor allem von einem Faktor ab: Von uns!

Und hin und wieder, an einem guten Tag, dürfen wir alle mal oberflächlich sein und uns ein paar überbelichtete Selfies gönnen. Und das nicht, um irgendwen beeindrucken zu wollen. Sondern einfach, weil es okay ist sich auch mal selbst zu gefallen.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 24.04.2019 bearbeitet.

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