Berlin...und seine Orte zum Durchatmen

Reisen
Miriam Hoffelner / 15.01.2019
berlin

5 Tage Berlin. 5 Tage Zeit. 120 Stunden. Und alles muss sich ausgehen. Brandenburger Tor, Reichstag, Checkpoint Charlie, Eastside-Gallery...Die einzigen Begriffe im Kopf der Reisenden. Am besten an Tagesprogrammempfehlungen aus dem Reiseführer halten. Damit man sicher nichts verpasst. Mit Tunnelblick von Attraktion zu Attraktion. Immer begleitet von tausenden Gleichgesinnten. Das ist nicht Berlin. Berlin ist viel mehr.

Eine Geschichte über Orte zum Durchatmen.

Verwunschen

Mitten im Wald auf einem Berg, knapp außerhalb der Stadt, erwartet die wenigen in dieses Geheimnis Eingeweihten ein außergewöhnlicher Ort. Was klingt wie der Beginn einer Märchengeschichte ist in Wahrheit eine Beschreibung des Teufelsbergs. Ursprünglich als Abhörstation der Amerikaner im Kalten Krieg dienend, thront auf dem Gipfel des Teufelsbergs eine der weitläufigsten Street-Art-Galleries Europas. Geschichte und Kunst werden hier verteilt auf fünf Stockwerke auf einzigartige Weise miteinander verbunden. Das Areal wäre kahl und verlassen, wären da nicht die bunten kraftvollen Werke vieler Street-Art-Künstler, die die ehemals grauen Betonwände aufblühen lassen. Stundenlang kann man durch die offenen Hallen und Gänge schlendern und die alternative Kunst bewundern, über deren Ausdruckskraft staunen und so manche Parole beschmunzeln. Doch ein Highlight habe ich bis jetzt noch vorenthalten.

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Angesichts der vielen Stufen hätte ich nach dem 3. Stock schon fast die Lust verloren. Dann erreiche ich eine Plattform. Das erste, was ich sehe, sind zerfetzte Planen, die von drei Kuppeln herabhängen. Ihr Rascheln im Wind erzeugt ein ganz eigenartiges Gefühl in mir. Erst dann erschlägt mich beinahe die Aussicht. Auf der einen Seite erstreckt sich der beinahe endlos scheinende Grunewald in saftigem Grün. Endlich den Blick von dieser atemberaubenden Kulisse getrennt, entdeckt man auf der anderen Seite... Berlin. Von hier oben sieht die Großstadt ganz klein und ruhig aus. Es fällt mir sehr schwer, diesen stillen, einsamen Ort zu verlassen. Noch kurz innehalten, einatmen, überwältigen lassen.

https://teufelsberg-berlin.de

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Skurril

Ein Erlebnis der besonderen Art erhält man dort, wo man es am wenigsten erwartet. In meinem Fall war es einer der unzähligen Parks Berlins. Ein grundsätzlich ganz unscheinbarer noch dazu. Er befindet sich in Berlin Wilmersdorf, in einer verlassenen ruhigen Gegend, in der man niemals mit etwas Sehenswertem rechnen würde. Als ich jedoch den Eingang in den Park fand und ihn betrat, traute ich dann zu allererst meinen Augen nicht. Auf der grünen Wiese des Parks wimmelte es von bunten Menschen. Teils im Schneidersitz, teils auf einem Hocker saßen sie auf der Erde in der Sonne. Um sich herum hatten sie Töpfe und Kisten übereinandergetürmt und so eigentümliche Stände gebildet. Bei näherem Hinsehen erkannte ich, dass vor diesen Menschen verschiedenste Köstlichkeiten platziert waren. Hier wurde ich Zeugin der Thai-Wiese Wilmersdorf. Jeden Tag bei Schönwetter versammeln sich Thailänderinnen, kochen auf der Erde und bieten günstig eine Vielzahl von fremdartigen Speisen an. Interessiert begutachten sie die BesucherInnen, preisen ihre Ware an und versuchen auf sehr sympathische Art und Weise, potentielle Kunden und Kundinnen an den eigenen Stand zu locken. Auffallend viele ThailänderInnen Berlins nutzen anscheinend diese Gelegenheit für einen Ausflug mit der ganzen Familie, Picknickdecken werden ausgebreitet, Spiele gespielt und mit den VerkäuferInnen geplaudert. Ein Multi-Kulti-Ereignis der besonderen Art, bei dem ich plötzlich das Gefühl hatte, auf einen anderen Kontinent versetzt worden zu sein.   

https://thaipark.de

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Alternativ

Die Definition von Heimat nach dem Wörterbuch Duden lautet wie folgt: Heimat ist ein „Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend)“. Der Name, den man dem ehemaligen Industriegebiet im Osten Berlins verliehen hat, ist also glücklich gewählt. Denn die Neue Heimat ist sicher ein Ort, an dem man sich mit Leichtigkeit zu Hause fühlt. Nach der Idee einer „Stadt in der Stadt“ erstreckt sich das Gelände der Neuen Heimat in einer Mischung aus alt und neu, heruntergekommenen Fabriken und modernem Flair. Angebote wie ein Boulder- und ein Skaterpark, und unzählige Möglichkeiten für einen gemütlichen Drink oder das Kosten einer unbekannten Speise lassen alle Herzen höher schlagen. Die zahlreichen Stände, der Duft nach Gewürzen und die bunten Menschenmengen in den Lokalen und auf den Straßen machen sogar einen einfachen Spaziergang zu einem Erlebnis. Wenn dann die Nacht über diesen Ort hereinbricht, entfaltet die Neue Heimat einen bisher unbekannten Charme. Die vielen bunten Lichter, die Live-Musik und die vielen fröhlichen Menschen lassen die Zeit wie im Fluge vergehen. Außerdem gestaltet sich ein solcher Abend als perfekte Möglichkeit, echte BerlinerInnen kennenzulernen!

http://www.neueheimat.com

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Das sind drei der Orte, die meinen Berlin-Trip zu etwas ganz besonderem machten. Natürlich lege ich deren Besuch wirklich ans Herz! Und doch gibt es noch viele andere unerforschte besondere Orte in dieser Stadt... Darum: Mach deinen Berlin-Besuch zu deinem persönlichen Abenteuer! Wage einen Spaziergang abseits der vorgetrampelten Pfade – Baby, take a walk on the wild side!

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 14.08.2019 bearbeitet.

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