Crossing Europe – „euphorisch ‚Ja-Sagen’“

Kultur & Events
Film Schwimmen

Dieses Jahr veranstaltet die Stadt Linz nun zum 15. mal das Crossing Europe Filmfestival.

In vier Kategorien können die gezeigten Filme ausgezeichnet werden: Fiction, Documentary, Local Artists und – dieses Jahr das erste Mal dabei – die YAAAS! Competition. Dabei geht es speziell um Filme, die von Jugendlichen ausgesucht, von Jung-Ressigeuren gedreht und dem Jugendlichen Publikum gezeigt werden. Im Contest werden die sechs nominierten Filme von einer – schwer zu erraten – Jugendjury bewertet und der/die SiegerIn mit einem stolzen Preisgeld von 2.000€ ausgezeichnet.

Der Hintergedanke hinter dem Ganzen: Die Jugend beschäftigt sich mit in den Filmen aufgearbeiteten Themen, in die sie im Alltag involviert sind. Beim Screening des deutschen Filmes „Schwimmen“ begrüßen uns zwei Young Programmer (die Personen, die die sechs Filme ausgesucht haben). Die zwei sprechen vom „euphorischen ‚Ja-Sagen’“ zu Diskussionen und einem Austausch über Themen wie Identitätsfindung, Freundschaft, Mobbing und vielem mehr.

Oberste Priorität dabei: die realistische Darstellung der jugendlichen SchauspielerInnen in Alltagssituationen.

Das Drehbuch zum Film „Schwimmen“ wurde von Luzie Loose aus Deutschland geschrieben und handelt von Elisa. Sie wird von MitschülerInnen gemobbt und fotografiert während sie nach dem Schwimmunterricht in der Dusche ohnmächtig wird. Elisa wirkt sehr zurückgezogen und auch die Trennung ihrer Eltern scheint ihr zu schaffen zu machen. Eine alte Kamera scheint das einzige zu sein, das ihr Vater neben einer zerbrochenen Ehe und einer Tochter zurücklässt. Elisa filmt mit ihr Alltagssituationen. Eine interessante Wendung nimmt die Geschichte als Anthea, ein Mädchen aus ihrer Klasse, sie in der Dusche verteidigt. Die beiden entwickeln eine innige Freundschaft und was zuerst wie harmlose Abenteuer der Jugendlichen wirkt, entwickelt sich bald zu einer Racheaktion ohne Rücksicht auf Verluste. Die ZuschauerInnen beginnen zu zweifeln, ob Anthea ein guter Einfluss ist. Sie scheint Elisa ein Ultimatum zu stellen: Entweder sie spielt mit bei der Rache an denen, die sie in der Dusche der Schule halbnackt und bewusstlos fotografiert haben, oder sie „kann sich verpissen“. Diese Rache beinhaltet das Filmen und Fotografieren dieser MitschülerInnen in ähnlich peinlichen Situationen. Auch Drogen und Alkohol kommen ins Spiel und sollen laut Produzenten vor deren Konsum abschrecken. Fun Fact für zwischendurch: Um möglichst realistisch darstellen zu können, wie man sich unter Einfluss von Kokain verhält, wurde extra ein Drogencoach engagiert. Und tatsächlich wurde diese Szene „eine der schönsten“ des ganzen Filmes, da die Charaktere ein pures Glücksgefühl zu erleben scheinen. Trotzdem weist der Produzent betonend auf die darauffolgende Szene hin, in der Drogen die Beziehung zwischen Anthea und ihrem Bruder, der eine sehr wichtige Rolle in ihrem Leben spielt, fast zerstören.

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Mahmut Fazıl Coşkun, ein Filmemacher aus der Türkei, erklärt mir bei einem anschließenden Face-to-Face Gespräch, dass Leute am liebsten „einfache“ Filme sehen. Filme zur Unterhaltung, die man im Kino findet. Wer allerdings auf ein Filmfestival geht, würde dort nur Filme zum Nachdenken finden. Ein solcher Film ist auch „Schwimmen“. Bei einem Q&A mit dem Produzenten Lenard Lenzig nach dem Screening bestätigt er genau diese Theorie. Eine klare Message für den Film war nie vorgesehen. Mit jeder Minute der Vorstellung kamen neue Fragen und Wendungen auf.

Auch sollte laut Lenard Lenzig kein typischer Film über Cybermobbing entstehen. Wichtig war Produzenten und Drehbuchautorin die Darstellung der ersten innigen Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, die sehr prägend ist und deren Entwicklung beeinflusst. In Elisas Fall heißt das die Abhängigkeit von ihrer neu gewonnenen Freundin Anthea, die deren Freundschaft oft an verhängnisvolle Handlungen knüpft. Am Ende des Filmes schafft es Elisa aber ihre Prinzipien durchzusetzen und löst sich aus diesem Teufelskreis. Was das für die Zukunft ihrer Freundschaft heißt, erfahren wir nicht. Der Film lässt viel Spielraum für Interpretation. Elisa kehrt alleine zum See zurück, der einige Male das Setting des Filmes ist, und wirft das Handy, das sie von Anthea geschenkt bekommen hat und mit dem sie die Videos aufgenommen haben und die alte Kamera ihres Vaters ins Wasser. Damit lässt sie alle Geschehnisse hinter sich und wir stellen uns nur noch eine Frage: Wie geht es weiter?

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 16.09.2019 bearbeitet.

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