Das gute alte – „HD-Vinyl“?

Leben
Vinyl

Kochst du dein Frühstücksei eigentlich mit der App auf deinem Handy oder mit der mechanischen Eieruhr deiner Großmutter? Macht es denn überhaupt einen Unterschied? Vielleicht schafft es die App ja ein perfekteres Ergebnis zu erzielen als die Uhr. Also, worum geht es hier eigentlich? Das Ei ist auf jeden Fall am Ende gekocht, oder nicht? Aber macht es nicht viel mehr Spaß die Uhr aufzuziehen und ihr beim Ticken zuzuhören, während man noch verschlafen auf das selbstgemachte Ei wartet?

Genauso verhält es sich mit der altbekannten Vinyl-Schallplatte. Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass man mit einem Smartphone viel mehr Musik speichern und auch viel schneller darauf zugreifen kann. In puncto Mobilität kann der Plattenspieler selbstverständlich auch nicht mit der Moderne mithalten. Genauso wie die Qualität der Smartphone-Musik auf einem viel konstanteren Level gut ist. Sie leidet nicht an Staub, der sich in den Rillen der Schallplatte absetzt oder – um das Frühstücksei noch einmal aufzugreifen – an Gebrauchsspuren im mechanischen Uhrwerk.

Und dennoch: Die „Musik zum Anfassen“ hat einen ganz anderen Wert für den/die ZuhörerIn.

Nun stellt euch doch einmal vor, ihr würdet aus einem Regal, bis zur Zimmerdecke hinauf mit sorgfältig sortierten und aneinandergereihten Schallplattenhüllen gefüllt, eure Lieblingsplatte wählen, diese auspacken und vorsichtig auf den Plattenteller eures Plattenspielers legen. Stellt euch vor, ihr setzt jetzt behutsam die feine Plattennadel am Rand des Vinyls auf. Noch ein bisschen an den Knöpfen herumfummeln und schon lehnt ihr euch zurück in eurem Lieblingssessel und lauscht dem wunderschönen Klang der Musik. All das macht dieses Medium in meinen Augen und in denen zahlreicher Vinyl-LiebhaberInnen zu etwas wirklich Besonderem. Das Prozedere ist beinahe ein Ritual oder eine Tradition, wenn man so will.

Und wie das so ist mit unserem menschlichen Streben danach, Dinge ständig verbessern zu müssen, entwickelte der Gründer des Tiroler Start-Ups „Rebeat-Innovation“ ein neues Verfahren zur Herstellung von Vinyl-Schallplatten. Das Endprodukt soll „HD-Vinyl“ heißen und im Sommer 2019 auf den Markt kommen.

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Jetzt könnte ich anfangen, euch mit Fakten darüber zu langweilen wie viel besser oder effizienter das „HD-Vinyl“ sein wird. Wie zum Beispiel, dass die Abstände zwischen den Rillen des Vinyls digital verkleinert werden können und somit die Spielzeit um bis zu 30 Prozent verlängert wird oder dass die Mikrorillen nicht mehr von einem Saphir sondern einem Laser in den Plattenrohling eingeritzt werden, um mit mehr Präzession eine bessere Klangqualität zu gewährleisten.

Allerdings habe ich mich stattdessen gefragt, warum eigentlich immer mehr Menschen zum Vinyl zurückfinden. Immerhin ist es ja für heutige Verhältnisse altmodisch und unpraktisch. Das muss man leider zugeben. Für mich ist es der Drang zur Entschleunigung, der die Schallplatte so interessant macht. Die altmodische Technologie entführt einen in eine fast vergangene Welt, in der man einen ganz anderen Bezug zur Musik hatte. Und gerade das Alter macht die Schallplatte zu so einem beliebten Sammlerstück.

Rauscht eine Platte an einer bestimmten Stelle, weil sich schon Staub auf ihr abgesetzt oder sie ein paar Kratzer abbekommen hat, dann ist das nicht störend. Im Gegenteil! Solche Mängel machen jede Platte einzigartig. Da ist es doch egal, ob 30 Prozent mehr oder weniger Musik Platz auf ihr findet. LiebhaberInnen hören sie nicht aufgrund ihrer Fortschrittlichkeit. Und genau das ist der Punkt.

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 17.01.2019 bearbeitet.

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