Der Bundesweihnachtsmann

Politik
Julia Wendy / 30.11.2016

Große Aufregung herrscht im Winterwunderland: Da die Amtszeit des Bundesweihnachtsmannes zu Ende gegangen ist muss ein neuer gecastet werden! Ein riesiges Spektakel. Von allen KandidatInnen, die im Vorfeld in weihnachtlichen Kostümen auf den Straßen Weihnachtslieder singen, können sich letztendlich vier Männer und eine Frau qualifizieren (ja,  wer sagt denn dass es keine Bundesweihnachtsfrau geben kann?). Nun geht es erst richtig los: Die WeihnachtsmannanwärterInnen entwerfen riesige Plakate mit Weihnachtsgedichten, verteilten Tannenzapfen, Bratäpfel und Punsch an die Bevölkerung und gehen Weihnachtslieder singend auf Stimmenfang. Außerdem müssen sie sich für einen lokalen Fernsehsender einer Schlittenfahrtsprüfung unterziehen, bei der zusätzlich noch fiese Fragen über die Aufgabenbereiche des Bundesweihnachtsmannes gestellt werden. Glücklicherweise landet kein Schlitten im Graben, über ihre künftigen Aufgaben sind sich aber nicht alle im Klaren.

Schon naht das erste Publikumsvoting per Wunschzettel. Die Spannung steigt und die Weihnachtsologen versuchen den Gewinner oder die Gewinnerin vorauszusagen – was ihnen nicht ganz gelingt. Zwei Kandidaten schaffen es schließlich ins Finale und liefern sich in den Wochen bis zum nächsten Voting die reinste Schneeballschlacht – sowohl auf der Straße, als auch in den Fernsehduellen. Das Publikum jedoch bleibt skeptisch: Während der eine Kandidat durch seinen übermäßigen Zigarettenkonsum negativ auffällt, bereitet die Vorliebe für Kornblumen des anderen den Leuten Kopfzerbrechen. Beide Produkte sind im Winterwunderland nur äußerst schwierig aufzutreiben und würden auf Dauer das Staatsvermögen erheblich schmälern.

Schließlich der Tag der (vermeintlichen) Entscheidung: Alle Vanillekipferlfabriken im Land stehen still und die Rentiere warten heute vergeblich darauf, bewegt zu werden, denn die ganze Bevölkerung verfolgt gebannt die Live-Auszählung des Publikumsvotings. Das Ergebnis könnte knapper nicht sein, doch noch bevor der Sieger die Weihnachtsmannuniform fertig angelegt hat, wird er von seinem Gegner zu einem Fechtduell herausgefordert. Die obersten Weihnachtsrichter werden in die Jury berufen und entscheiden - nach reichlich Bedenkzeit und einigen Glühweinen - zugunsten des Herausforderers. Doch nun steht das Land noch vor einem viel größeren Problem: Weihnachten naht, die Krapferl sind gebacken, die Christbäume gefällt, doch wie feiert man Weihnachten ohne Weihnachtsmann? Die Weihnachtsrichter bleiben jedoch hart: Das Fest muss verschoben werden.

Als nach einer kurzen Verschnaufpause die Schneeballschlacht wieder einsetzt, kommt es zum nächsten Skandal. Das Geschenkpapier sämtlicher Geschenke löst sich einfach in Luft auf! „Unter diesen Umständen kann kein Publikumsvoting stattfinden“, gibt Christoph Schneeflocke, der Weihnachtsminister, bekannt. „Es könnten sich ja auch einige Wunschzettel in Luft auflösen!“ Zum großen Unmut der Bevölkerung wird Weihnachten noch einmal verschoben. Engel, Wichtel und ZuckerbäckerInnen fragen sich langsam, ob man den Weihnachtsmann denn überhaupt noch braucht. Der Plan, das ganze Casting abzuschaffen und stattdessen das Christkind anzuheuern, schlägt aber fehl, da dieses im Nachbarland voll und ganz mit einer Schneeballschlacht gegen den Krampus beschäftig ist, der auch einmal Geschenke verteilen will.

Im Winterwunderland, wo das Casting als das längste aller Zeiten in die Geschichte eingehen sollte, versuchen währenddessen beide Kandidaten krampfhaft, den anderen auszustechen. Als einer Gott auf seiner Seite wissen will, wird dem anderen nahegelegt, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, was sich aber mit seinem Image nicht vereinbaren lässt. Stattdessen stellt er lieber seinen Gegner als den Teufel in Person dar. Von friedlicher Weihnachtsstimmung ist keine Rede. Die ganze Situation wird noch verschärft, als im Nachbarland der vorlaute Krampus die Schneeballschlacht gegen das etwas verbissene Christkind gewinnt und bekannt gibt, dass es von nun an nur noch Kohlen zu Weihnachten geben sollte. Sämtliche bereits verpackten Geschenke sollen einfach zu einer riesigen Mauer gestapelt werden.

Das (hoffentlich) endgültige Finale des Weihnachtsmanncastings steht kurz bevor. Die Bevölkerung kann langsam keine Weihnachtslieder mehr hören und auch die von den Kandidaten verteilten Lebkuchen finden keinen großen Anklang mehr. Die mittlerweile sehr kleinlauten Weihnachtsologen trauten sich keine Prognosen mehr zu.

Ob im Winterwunderland schlussendlich doch noch Weihnachtsstimmung aufkommt und wer beim finalen Publikumsvoting die Nase vorn hat? Tja, das weiß heute noch keiner, denn erst morgen kommt der Weihnachtsmann.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 21.03.2019 bearbeitet.

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