Diagonale ´19 im Herzen Europas

Kultur & Events
Clara Tomschi / 21.03.2019
Minichmayr Diagonale

„Wir müssen durch den Spiegel gehen“- Tocotronic

167 Filme und Videos zeigt die Diagonale von Dienstag bis Sonntag – darunter zwei mit Birgit Minichmayr, die immer spielt aber nicht vorspielt und die nicht darstellt, sondern einfach da ist und wahr ist und die bei der Eröffnung mit dem Großen Schauspielpreis, welcher ja eigentlich ein Kunstwerk mit dem Titel „Golden Balls“ ist, geehrt wird. Das Kunstwerk von Ashley Hans Scheirl, stehe für Hedonismus, Erfolg, Stärke und Genauigkeit und habe ihr noch gefehlt.

Zuvor hatten schon die Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber das Filmfestival mit den Worten „Nationalismus ist Gift für die Gesellschaft" eröffnet und damit definitiv nicht nur den Titel des Festivaltrailers von Johann Lurf gemeint.

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Die Festivalleiter Schernhuber und Höglinger (c) Sebastian Reiser Diagonale

„Der tiefen Überzeugung, dass nationalistische Rasereien in die Barbarei führt, kann eigentlich nur mit dem Glauben an eine Weltgemeinschaft und ein starkes vereintes Europa geantwortet werden.“

Die Diagonale verfolgt auch 2019 kein Motto, und die selbstkritische Festivalleitung möchte ihr auch keine Parole überordnen und wir sollen uns fragen, welche Rolle Kunst und Kultur gegenwärtig einnehmen können. Und doch erklären Höglinger und Schernhuber das Festival zu einem Ort der Grundsatzerörterung und argumentieren für den Begriff der Genauigkeit. Denn die größte Provokation, liege just im Beharren auf Genauigkeit. Trotz aller Selbstkritik rufen sie zum gemeinsamen trinken und feiern auf, was sowohl in der Filmbranche als auch in der Steiermark auf generellen Zuspruch treffen sollte.

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Marie Kreutzer (c) Sebastian Reiser DIAGONALE

Marie Kreutzers Eröffnungsfilm „Der Boden unter den Füßen“ ist voll von Kinomomenten und Bildern, die für unsere Gegenwart -  die Klarheit vorgibt und dabei völlig intransparent geworden ist - prädestiniert sind. Sie zeigt die Gegenwart der Hauptdarstellerin Lola, die sie fordert und zunehmend überfordert. Lola (Valerie Pachner) arbeitet Nächte durch und pendelt zwischen gesichtslosen Hotelzimmern, ihrem Fitnesstraining und einer unbewohnten Wohnung. Sie ist erfolgreiche Unternehmensberaterin und da ist ein eighty-fou r-  eine 48- Stunden- Schicht- ist in dieser Branche keine Seltenheit. Die Endzwanzigerin hat ihre Karriere ebenso fest im Griff, wie ihr Privatleben, welches sie vor ihrem Kollegium geheim hält. Lola pflegt eine Affäre mit ihrer Vorgesetzten (Mavie Hörbiger) und hat eine schizophrene Schwester Conny (Pia Hierzegger). Als diese nach einem Suizidversuch in der Psychatrie landet, droht ihr der titelgebende Boden unter den Füßen wegzureißen.

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 25.06.2019 bearbeitet.

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