Diagonale 2018: (Film)Rausch in Graz

Kultur & Events
Barbara Strasser / 20.03.2018
Kinosaal

Das Österreichische Festival lädt ein zum Rausch (so wie die meisten Festivals). Nur mit einem Unterschied: Rausch nach Film, nicht Rausch nach Alkohol.

My kind of paradise

Wenn ich meinen Eindruck von der Diagonale in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre es vermutlich „surreal“, aber natürlich im sehr positiven Sinne. Es war komisch ein paar Stunden in der Schule zu sitzen, in der die Teenie-Probleme kein Ende zu haben scheinen, dann in den Zug zu hüpfen, um nach Graz zu fahren und sich in einer anderen Welt wieder zu finden: Ich treffe weltgewandte StudentenInnen, JournalistInnnen und Menschen, die allesamt runde Brillen, außergewöhnliche Frisuren und schwarze Pullover tragen zu scheinen und mich manchmal mit ihrer Intellektualität und ihrem Wissen eingeschüchtert haben.

Zugegeben habe ich von Graz nicht viel gesehen, was ich glücklicherweise sehen durfte, waren Filme, Filme und zur Überraschung: noch mehr Filme. Das Youth Reporterteam, bestehend aus Lena Haiden und mir, hat sich quer, oder sollte ich sagen „diagonal“, durch das Film-Programm durchgesehen. Von Dokus über Experimentalfilme bis hin zu filmgeschichtlich relevanten Streifen. Um ehrlich zu sein, es hat uns nicht alles gefallen, aber das gehört auch so – die Bandbreite meiner Reaktionen war groß: Ich war verwirrt, begeistert, betroffen und einmal habe ich aus Langweile ein kurzes Nickerchen gemacht (worauf ich rückblickend nicht sehr stolz bin).

Worum es wirklich geht

Filme wie „Teheran Tabu“, „Emigration, N. Y. – die Geschichte einer Vertreibung“ und „Waldheims Walzer“ haben mein Gehirn wachsen lassen. Obwohl drei sehr verschiedene Themen behandelt werden, nämlich die Ungerechtigkeit mit der Frauen in Teheran leben müssen, die Flucht von Juden und Jüdinnen vor dem Nationalsozialismus und die Waldheim-Affäre, verbindet sie doch eines: Bei allen dreien geht es um Ungleichheit und die Folgen von Unachtsamkeit.

Kino, Film und Fernsehen haben einen großen Kulturauftrag. Nun, ich bin keine Cineastin, aber ich gehe gerne ins Kino. Seit ein paar Monaten arbeite ich auch in einem Kino, leider nicht in einem Programmkino. Mir scheint, als würde das Geschäft gut laufen, denn es kommen viele BesucherInnen – junge Menschen, ältere, Kinder, Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund. Kino stirbt wegen Netflix nicht gleich aus. So schön das auch ist, muss ich sagen, dass der große Teil von dem, was wir in unserem Programm haben, Schrott ist. Schrott, den wir spielen, weil ihn die Menschen sehen wollen. Beim Start von „50 Shades of Grey“ wurden uns fast die Türen eingetreten; so viel zum Thema Kulturauftrag. Filme, die in die Tiefe gehen oder anspruchsvollere Themen behandeln, sind meist schlecht besucht. Deswegen war es erfrischend zu sehen, dass es auch anders geht und dass es viele Menschen gibt, die für „Murer – ein Prozess“ eine Dreiviertelstunde Schlange stehen und nicht bei „50 Shades of Grey“. Es hat gut getan, zu hören, dass jemand bei „Phaidros“ – einem Streifen, der auf dem gleichnamigen Werk Platons basiert und abgewandelter Form in der LGBTQ+ Szene spielt – gerade noch ein Ticket ergattern konnte, weil die Warteliste schon länger war.

Zusammengefasst war es wirklich schön. Nach diesem (Film)Rausch habe ich Hunger bekommen. Hunger darauf mehr zu erfahren über einige Themen, die behandelt und angerissen wurden. Vielleicht werde ich mir zum Ausnüchtern, gegen den Hunger, ein paar Bücher kaufen.

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 23.04.2019 bearbeitet.

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