Ecosia: Weltverbessern für Faule

Umwelt
Anna Egger / 07.02.2019
Äthiopische Frauen mit kleinen Sträuchern in der Hand bei der Wiederaufforstung

Meine Waffe? Eine Suchmaschine. Mein Schießpulver? Bäume. Deshalb habe ich heute meinen 700. gepflanzt. Na gut, eigentlich hat Ecosia ihn gepflanzt (sowie 46 Millionen andere Bäume auch), während ich auf der Couch liegend online geshoppt habe. Denn Faulheit und Weltverbessern widerspricht sich schon lange nicht mehr.

Seit 2009, um genau zu sein. Da hatte nämlich Christian Kroll inmitten seiner Weltreise den Einfall, eine Suchmaschine zu kreieren, die ihren gesamten Gewinn in Wiederaufforstung steckt. Als Christian Kroll das Unternehmen gründete, versprach er, dass er Ecosia weder verkaufen noch privaten Gewinn daraus ziehen würde. Aus diesem Grund hat er Ecosia im Oktober 2018 in ein sogenanntes „Sich selbst gehörendes Unternehmen“ umgewandelt. Das bedeutet, dass Geschäftsanteile nicht mit Gewinn verkauft werden und auch nicht unternehmensfremden Personen gehören dürfen. Damit verzichtet Ecosia unwiderruflich auf Gewinnmaximierung, denn darum geht es nicht. Es geht um die Maximierung an Baumbeständen. Das ist zwar alles schön und gut, aber wie verdient das Unternehmen sein Geld?

Nein, Ecosia verkauft nicht unsere Daten. Im Gegenteil, das Unternehmen legt viel Wert auf Datenschutz, die Suchmaschine erstellt zum Beispiel keine Nutzerprofile wie Google. Weiters erfasst das Unternehmen nur die Daten, die es unbedingt benötigt und anonymisiert diese nach einer Woche. Das Geldverdienen funktioniert anders: Wie andere Suchmaschinen macht Ecosia mit Klicks auf Werbeanzeigen Gewinn. Doch auch wer nicht auf Ads klickt, leistet einen wertvollen Beitrag, denn je größer die Community - momentan sind es 7 Millionen aktive UserInnen -, desto interessierter sind Firmen, Anzeigen auf Ecosia zu schalten.

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Aber widmen wir uns lieber wieder den Bäumen: Ecosia hat bereits Projekte in Burkina Faso, Madagascar, Peru, Indonesien, Tansania, Nicaragua, Brasilien und vielen anderen Ländern mit insgesamt 9 Millionen Euro unterstützt. Welches Projekt zu wie vielen Teilen finanziert wird und wie  viel vom Gewinn tatsächlich in die Wiederaufforstung fließt, lässt sich in den monatlichen Finanzberichten nachlesen.

Dass Bäume die coolsten CO2-Filter der Welt sind, wissen wir schon lange. Nicht umsonst bezeichnen wir Regenwälder als die grünen Lungen der Erde. Aber Bäume können noch mehr: Tote Ökosysteme wiederbeleben, zum Beispiel. Die Bäume machen den Boden wieder fruchtbar, Bauern und Bäuerinnen können wieder Landwirtschaft betreiben. Einerseits verbessern sie ihre eigene Ernährungsgrundlage, andererseits können sie Produkte verkaufen. Mit dem Geld schicken sie ihre Kinder zur Schule, leisten sich Medikamente und bauen stabilere Unterkünfte. Frauen, die in der Wiederaufforstung arbeiten, verdienen ihr eigenes Geld, sind unabhängig. In Äthiopien haben Frauen sogar ein gemeinschaftliches Sparkonto angelegt, damit sie eigene Geschäfte eröffnen können. Die Entwicklung solcher Projekte kannst du am Ecosia YouTube-Kanal oder auf der Website ecosia.org weiterverfolgen.

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Allerdings, ecosia.org ist nur die Oberfläche. „Der Suchalgorithmus ist von Bing übernommen. Die haben mit Ecosia eine Partnerschaft, weil sie alles unterstützen, was Leute von Google wegholt“, schreibt Philipp Löhle auf berliner-zeitung.de. Er hat sich ein von Ecosia finanziertes Projekt vor Ort angeschaut, weil er dem „Ökoschein“ anfangs misstraute. Verständlich, spätestens nach Werner Bootes „The Green Lie“, wissen wir, dass Konzerne sich gerne grüner machen, als sie es sind.

Doch wie vermutlich Philipp Löhle auch, habe ich mich in Ecosia verliebt. Denn Weltverbessern funktioniert jetzt von der Couch aus.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 15.02.2019 bearbeitet.

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