Eine Chance gehört zu werden: Klassensprecher_innenparlament Niederösterreich

Engagement
Klassensprecher_innenparlament Niederösterreich

Das von außen eher enttäuschende Gebäude der ÖGB hinter dem Bahnhof von St. Pölten ist heute am 24. Jänner 2019 die Location für das erste niederösterreichische Klassensprecher_innenparlament. Meine zwei Klassenkollegen und ich vertreten unsere Schule, das BORG Wiener Neustadt, und sind gespannt, was uns erwartet. Gleich beim Eingang bekommen wir rote Mappen befüllt mit den Anträgen, über die heute abgestimmt werden soll. Wir nehmen Platz und werden bald darauf von den Veranstaltern, der „Aktion Kritischer Schüler_innen“ (aks) aus Niederösterreich, mit freundlichen Worten begrüßt. 

Und schon geht es los! Antrag für Antrag wird vorgestellt, diskutiert und abgestimmt. 

Politische Bildung

Besonders interessant und wichtig befanden wir den Antrag einer Schülerin des BRG Krems Ringstraße. Sie fordert Politische Bildung als Pflichtfach an Niederösterreichs Schulen. Gemeinsam beschließen die Teilnehmenden mit einer deutlichen Mehrheit, dass dies mehr als sinnvoll ist, da viele Jugendliche keine Ahnung von grundlegender Politik haben. Ein solches Fach sollte eine Allgemeinbildung auf diesem Gebiet mitgeben, denn mit 16 Jahren schon wählen zu dürfen ist ein echtes Privileg. Es kam auch der Vorschlag, die politische Bildung bereits in der Volksschule anzusprechen. Ich glaube, wenn man früh beginnt, neue Generationen auf dieses Thema zu sensibilisieren, ist ein gewisses Interesse ein Leben lang vorhanden. Der Antrag wurde vor dem Parlament angenommen.

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Beziehung LehrerIn - SchülerIn

In mehreren Anträgen kam außerdem die Beziehung zwischen SchülerIn und LehrerIn zur Sprache. Zum Beispiel wird diskutiert, ob die Lehrperson der/dem SchülerIn den selben Respekt zukommen lässt wie es anders herum der Fall sein soll. Dennoch ist die Mehrheit der Meinung, dass der Lehrkörper einer Schule immer noch als Autorität angesehen werden sollte. Wichtig dabei ist, dass die Schülerschaft gehört wird. 

In einem weiteren Antrag wird über Feedbackbögen gesprochen, die am Ende eines jeden Schuljahres von SchülerInnen ausgefüllt werden sollen. Auf diese Weise würde man sicherstellen, dass eine Kritik an Lehrpersonal nicht im Stolz dieser untergeht. Manche können nämlich - wie vermutlich jede/r SchülerIn schon mindestens einmal mitbekommen hat - gar nicht mit Kritik gegen ihren Lehrstill und ihre Art, Mitmenschen zu behandeln, umgehen. Vor allem scheinen diese „Behandlung“ wir SchülerInnen, die wir in der Hackordnung unter ihnen stehen, abzubekommen. Mit dem Stichwort „Hackordnung“ und dem Sprichwort „am längeren Ast sitzen“ wurde auch die Schulsprecherin des BORG Krems schon oft konfrontiert. Sie fordert deshalb eine „Meldestelle für diskriminierende Lehrpersonen“. Ich denke jede/r hat diese/n eine/n LehrerIn an der Schule mit bestimmtem Ruf, besonders unfair und garschtig zu sein. Am meiner Schule darf diese eine Person nicht mehr in jeder Klasse unterrichten, da es zu Handgreiflichkeiten mit SchülerInnen kam. Auch beim Landesschulrat haben wir uns schon gemeldet. Mit dem Ergebnis: Sie ist unkündbar und man habe darauf keinen Einfluss. Daran, dass eine Schule nicht bestimmen kann, welche/r LehrerIn dort unterrichtet, sollte dringend etwas geändert werden. Vielleicht kann in der Meldestelle gegen Diskriminierungen seitens unserer Autoritätspersonen effektiv vorgegangen werden. Das Parlament vertritt diese Meinung und befürwortet den Antrag.

Gratis Nachhilfe

Noch viele weitere Themen, wie zum Beispiel gratis Nachhilfe an Schulen, ein besseres schulpsychologisches Angebot und das Ersetzen von Plastikflaschen aus Automaten durch Glasflaschen zum Schutz der Umwelt, wurden in der heutigen Sitzung aufgebracht. Und obwohl mir der Tatendrang und der gemeinsame Wunsch nach Änderung bei der Veranstaltung sehr gefallen hat, war ich doch teilweise etwas enttäuscht, dass die Diskussion bis zum Schluss hin ziemlich theoretisch blieb. Genau weiß ich noch nicht, wie unsere Ziele umgesetzt werden können. Dabei verlasse ich mich jetzt, nachdem meine Meinung eingebracht ist, auf die aks. Sie werden unsere Anträge den entsprechenden Bildungssprechern vorlegen und weiter an der Umsetzung feilen.

Die Idee, KlassensprecherInnen aus ganz Niederösterreich zusammenzubringen, finde ich sehr gut und vernünftig. Es werden nämlich endlich diejenigen gefragt, die es wirklich betrifft: SchülerInnen! Doch denke ich, dass viele Jugendliche nichts von ihren Möglichkeiten wissen, sich aktiv für Veränderung in ihrem direkten Umfeld stark zu machen. Dafür muss man nicht in Organisationen beteiligt sein oder viel Aufwand betreiben. Das Klassensprecher_innenparlament zum Beispiel wäre für jeden Schüler Niederösterreichs zugänglich gewesen. Ungefähr siebzig saßen heute in diesem Raum. Das sind zwar schon viele, aber lange nicht genug. Unter dem Aspekt, dass politische Bildung an Schule mehr gefördert werden sollte, sollten auch Veranstaltungen wie diese viel mehr Aufmerksamkeit an Schulen bekommen. So können wir uns gemeinsam stark machen für unsere Interessen! 

Links

Für die Interessierten unter Euch: die homepage der aks Österreich

Und genauer, die der aks Niederöserreich

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 17.07.2019 bearbeitet.

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