Game of Thrones: Bücher oder Serie?

Kultur & Events
Nicole Greiderer / 16.04.2019
Game of Thrones

Was fängt man mit seinem Leben an, nachdem man sich acht Monate in eine Saga vertieft hat, die jetzt erst mal nicht weitergeht? Genau, man schreibt darüber.

Nein, ich habe keine acht Monate gebraucht, um alle sieben Staffeln Game of Thrones durchzuschauen, ich habe vorher die Bücher gelesen. Als ich die Bände in meiner Stammbücherei entdeckt habe, war ich mir zuerst unsicher, ob ich mich an sie heranwagen sollte. Immerhin sind es in der deutschen Fassung 10 Bände mit je ungefähr 600 bis 800 Seiten, die 5 der englischen Originalfassung jeweils in zwei aufgeteilt. Also lieh ich mir mal das erste zum Reinschnuppern aus. Und konnte dann irgendwie nicht mehr aufhören. Die Buchreihe, auf der „Game of Thrones“ basiert, heißt Das Lied von Eis und Feuer, (in der englischen Fassung A Song of Ice and Fire), geschrieben von George R. R. Martin. Allerdings ist die Buchreihe noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor sind zwei Bände ausständig. Als ich die Bücher dann also durchhatte, habe ich beschlossen, dass wenn schon, denn schon. Ich bin kein Serienjunkie – im Gegenteil. Aber die auf den Büchern basierende HBO-Serie geht JETZT in die finale Staffel – hier ist also ein Ende in Sicht, und das hat mich überzeugt, mir Game of Thrones in der englischen Originalfassung anzusehen – insgesamt 67 Folgen zu je ca. 55 Minuten. Ich war positiv überrascht. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Bücher zuerst gelesen habe.

Bücher vs. Serie

In Das Lied von Eis und Feuer steht das Denken und Fühlen der Figuren eher im Vordergrund, es gibt mehr Erklärungen zu Hintergrundstories und auch mehr nebensächliche Handlung. In der Serie ist natürlich kein Platz für sowas. Hier liegt der Fokus mehr auf den Hauptfiguren, die Handlungen sind pointierter und zielstrebiger. Außerdem: Mehr Sex und Gewalt, ohne Beschönigung. Einige Figuren werden stärker herausgehoben, andere verschwinden komplett. Generell finde ich die schauspielerische Umsetzung der Charaktere aber sehr gelungen. Ab den späteren Staffeln weicht die Handlung in Game of Thrones immer mehr von den Büchern ab. Trotzdem hat mich die Verfilmung grundsätzlich überzeugt, nur die animierten Fantasy-Elemente haben mir nicht immer gefallen.

Das Besondere daran

Was für mich den Reiz an dieser Saga ausmacht, ist deren Komplexität. Es geht um Politik, Macht, Intrigen. Charaktere, von denen man dachte, sie werden wichtige Rollen einnehmen, sterben, und haben trotzdem noch posthum großen Einfluss. Kriege werden geführt, Allianzen geschlossen und gleich wieder aufgelöst, es wird geliebt und aus Liebe verraten. Das Ganze vor dem Hintergrund einer mittelalterlichen Welt, die es so wirklich gegeben haben könnte, vermischt mit einer großen Portion Fantasy. Die Geschichte spielt an vielen verschiedenen Orten parallel, im Buch schreibt George R. R. Martin in jedem Kapitel aus der Perspektive einer Figur, die sich an einem anderen Ort befindet und eine eigene Geschichte erlebt. Die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren sind verworren und werden erst mit der Zeit klar erkennbar, wenn sich die Erzählstränge miteinander verweben. Jede Figur besitzt eine tiefgründige, vielschichtige und realistische Persönlichkeit, was sie nachvollziehbar und lebendig macht, nicht nur „schwarz“ oder „weiß“ sein lässt, im Zuschauer Sympathie oder Hass hervorruft, manchmal beides. Für mich ein weiterer Pluspunkt: Der sehr ironische, um nicht zu sagen zynische Humor in der Geschichte, der immer wieder hervorsticht. Außerdem liebe ich die Darstellung der Frauen – in Büchern und Serie gleichermaßen. Sie sind Mütter, die für ihre Kinder töten, Lustobjekte, die ihre Reize einzusetzen wissen, intrigante Fädenzieherinnen im Hintergrund, furchtlose Kämpferinnen und unerbittliche Machthaberinnen. Die weiblichen Hauptfiguren sind auf so viele Arten stark und stehen den Männern um nichts nach, graben ihnen sogar immer mehr den Rang ab. Auch diese fiktive Welt ist von einem klaren Rollenbild geprägt, gegen das sich die Frauen allerdings auf vielfältigste Weise auflehnen. Mich begeistert dieser progressive Erzählstil auch deshalb, weil gerade in Fantasyromanen Frauenrollen oft nur einen kleinen Anteil haben, wohingegen das Geschlechterverhältnis in dieser Saga ziemlich ausgeglichen ist.

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Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass ich es kaum erwarten kann, die finalen Folgen der Serie anzuzsehen, damit ich endlich weiß, wie die Geschichte ausgeht.

Ob ich die Bücher oder die Serie empfehlen würde? Schwierige Frage. Ich glaube, wer Gewissheit haben will, dass ein Ende in Sicht ist und auf beständige Action steht, sollte sich eher für Game of Thrones entscheiden. Wer allerdings so richtig tief in die Story eintauchen will, sehr gerne liest und der eigenen Fantasie für Orte und Personen Spielraum lassen will, dem kann ich auch Das Lied von Eis und Feuer ans Herz legen.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 22.05.2019 bearbeitet.

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