The Green Lie

Umwelt
Anna Egger / 16.08.2018
Schriftzug "The green lie" auf Wiese liegend

„Mir wird gesagt, dass ich die Welt retten kann. Das ist eine Lüge.“ So beginnt Werner Bootes Kriegsansage an Konzerne, die Greenwashing betreiben. Von Greenwashing spricht man, wenn Firmen sich umweltbewusster und fairer darstellen als sie es sind. In seinem Film „The Green Lie“ reist Werner Boote mit Kathrin Hartmann um die Welt, um Werbelügen aufzudecken, AktivistInnen zu treffen und unser System nach und nach in Frage zu stellen. Meine Klasse und ich haben den Film gesehen und anschließend mit Werner Boote darüber gesprochen.

Beim Frühstück im Nutella-Glas, beim Autofahren im Diesel, beim Waschen im Pulver – jeden Tag begegnen wir einem Stückchen Regenwald in Form von Palmöl. Immerhin ist es das weltweit meistgenutzte pflanzliche Öl. Wer verhindern möchte, dass Regenwälder für Plantagen gerodet werden, greift eben zu nachhaltigem Palmöl. Gottseidank gibt es ja Gütesiegel wie jenes des «Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl» (RSPO) an denen sich der Konsument und die Konsumentin orientieren kann, denkt Werner Boote anfangs. Aber stimmt das wirklich? Gibt es überhaupt nachhaltiges Palmöl?

„Ich versteh mich auch nicht als Konsument. Ich bin ein Mensch und ein Bürger“, stellt Kathrin Hartmann, Expertin für Greenwashing klar. Sie zeigt Werner Boote die Absurdität eines Systems, dass die Armen ausbeutet, sowie die Reichen noch reicher macht. Wie kann ich da noch Einkaufen gehen, ohne jedes Mal ein schlechtes Gewissen zu haben? Bio bedeutet ja nicht gleich fair und fair nicht gleich bio.

Ich möchte auch nicht die Spielverderberin sein, die der Schwester M&Ms und Pringles aus der Hand reißt, um den Regenwald zu retten. Aber wieso ist Nachhaltigkeit eine individuelle Entscheidung? Wieso garantiert nicht der Staat Österreich für nachhaltige Konsumation? Wo bleiben die Gesetze? Wieso ist es legal, das Land und die Menschen in Indonesien auszubeuten und wieso müssen AktivistInnen Mordanschläge fürchten?

Bereits Bootes 2009 erschienener Film „Plastic Planet“ löste eine Welle an Reaktionen aus. Statt den bisherigen gratis Plastiksackerl an der Kassa warben Supermärkte jetzt mit Papiertüten. Das Experiment einer steirischen Familie „Kein Heim für Plastik“ begeisterte auf verschiedenen Social Media Kanälen und fand viele NachahmerInnen. Und ein 18-jähriger Holländer gründete mit 60 internationalen Wissenschaftlern The Ocean Cleanup, um die Ozeane von ihren 5 Trillionen Plastikteilen zu befreien (siehe dazu Johanna Dasers Artikel).

The Green Lie könnte Ähnliches bewirken, damit zukünftig „Oarschlochprodukte“, wie Werner Boote die scheingrünen Waren bei der Nachbesprechung des Films nennt, aussterben und nicht die Orang-Utans, die bei Waldrodungen ums Leben kommen. Obwohl wir als KonsumentInnen nicht allmächtig sind, sind wir es als BürgerInnen. Denn unser Einkaufsverhalten zu ändern, ändert nicht das System. Wir müssen also den Schritt vom passiven Konsument/von der passiven Konsumentin zum mündigen Bürger/zur mündigen Bürgerin wagen. Nicht auf Elektroautos umsteigen, sondern mehr öffentliche Anbindungen fordern, verdeutlicht Hartmann das Problem. Denn weder der Strom, noch die Herstellung oder die verwendeten Materialien sind umweltfreundlich. Auch das Elektroauto ist ein Giftpaket mit grünem Deckmantel.

Dennoch, wir sind nicht alleine. Weltweit sind Menschen nicht mehr einverstanden mit einem System, das Menschen und Umwelt ausbeutet. Dass Arme ärmer und Reiche reicher macht. „Wir sind bereit den Drive zu nehmen und uns in eine gute Richtung zu bewegen“, so Werner Boote. Lösungen drückt uns der Wiener Regisseur keine in die Hand, dafür die Verantwortung für unseren Planeten. Redet mit eurer Familie darüber! Mit euren FreundInnen! Mit Fremden, fordert Boote. Seid kreativ, politisch aktiv, denn „Wir können ur viel bewegen mit dem kleinsten Schaas.“

 

Weiterführende Links:

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 15.07.2019 bearbeitet.

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