Ich kann nicht mehr! Über das Zerbrechen am eigenen Idealismus und stressbedingter Überforderung

Leben
Sarah Emminger / 02.01.2019
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Kennst du diese Momente, Stunden, Tage, an denen jeder etwas von dir zu wollen scheint? Deine LehrerInnen geben Berge von Hausaufgaben auf, die wichtigen Prüfungen, über die du dir ohnehin schon lange den Kopf zerbrichst, rücken immer näher. Mama und Papa wollen vielleicht, dass du ihnen im Haushalt hilfst oder dein Zimmer aufräumst. Und eine gute Freundin braucht einen Rat von dir und will sich treffen. Außerdem bist da noch du selbst. Du überlegst, wie du alles unter einen Hut bringen sollst, schließlich willst du ja neben dem, was die anderen von dir möchten, auch noch zum Sport gehen, gesundes Essen kochen, Klavier üben, an deiner Arbeit schreiben, deine Oma besuchen, und, und, und…

Was passiert im Körper?

Tagtäglich sind viele von uns einer großen Menge an Stress ausgesetzt. Dies kann verschiedene Folgen haben. Fühlen wir uns gestresst, schüttet unser Körper spezielle Hormone aus. Sowohl unsere Muskeln, als auch Sauerstoff- und Nährstoffversorgung werden dadurch gestärkt. Außerdem steigt unser Blutdruck, wodurch unser Körper besser durchblutet wird. Andererseits wird beispielsweise unser Immunsystem stark gehemmt, weswegen wir öfter krank sind, wenn wir viel Stress haben. Es kann auch zu einer erhöhten Körpertemperatur kommen, wodurch wir dazu tendieren, mehr zu schwitzen. Dazu können verschiedene, andere Auswirkungen kommen: Kopfschmerzen, Sodbrennen, Reizbarkeit und das Gefühl von Überforderung, aber auch Schlaflosigkeit, Denkblockaden, sozialer Rückzug und sexuelle Probleme.

Positiver und Negativer Stress

Grundsätzlich werden zwei Arten von Stress unterschieden: Der Eustress und der Distress. Ersterer ist nur kurzzeitig und wird oft als positiv empfunden, weil er uns leistungsfähiger und gesünder machen kann, solange er nicht zu oft vorkommt. Denn das wäre dann Distress – dauerhafter Stress, der uns krank macht. Und zwar nicht nur physisch, sondern vor allem eben auch psychisch. Zu viel Stress und Belastung kann im schlimmsten Fall zu einer Ansammlung verschiedenster Symptome – von Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken – führen: man spricht dann von einem Burnout-Syndrom.

Das Leben mit einem Burnout

Bei einem Burnout ist der oder die Erkrankte körperlich, seelisch und geistig vollkommen erschöpft und es kann zu einem Zustand kommen, der als lebensbedrohlich gesehen wird. Nämlich dann, wenn auch Depressionen ins Spiel kommen, die oft mit einem Burnout zusammenhängen können. Menschen mit dieser Symptomatik fehlt oft einfach die Kraft, jeden Tag überhaupt noch aufzustehen und sich für irgendetwas zu motivieren. Bemüht man sich anfangs noch umso mehr, alles gut und richtig zu machen, sieht man dann nicht mehr wirklich Sinn in irgendetwas. Burnouts sind insofern besonders gefährlich, weil sie sich ganz langsam und in Phasen entwickeln. Oft braucht es Jahre der Überarbeitung, bis Symptome auftreten, manchmal geht es aber auch schnell. Viele Betroffene wollen es sich auch nicht eingestehen, krank zu sein und meinen, dass ein wenig Stress ja nicht schlimm ist. Burnouts sind aber durchaus ernst zu nehmen.

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Inwiefern wir Stress unterschätzen

Ich denke, in der Gesellschaft wird viel zu wenig über Stress und das Gefühl von Überforderung gesprochen. Jeder will den Eindruck erwecken, mit all seinen Aufgaben gut zurecht zu kommen und kein Problem damit zu haben, alles auf die Reihe zu bekommen. Deshalb will man selbst nicht darüber sprechen. Aber genau das sollte man, denn sobald man erkennt, dass auch die anderen nicht perfekt sind und man nicht allein damit ist, dass man manchmal einfach nicht mehr kann, würde der Idealismus in unserer Gesellschaft vielleicht kleiner werden. Wir sind keine Maschinen! Wir brauchen Zeiten, in denen wir uns ausruhen und erholen können!

Vor allem im Bildungssystem wird nur sehr wenig Rücksicht auf Stress und Druck genommen. Es wird dauerhaft Leistung erwartet und die Angst davor, nicht gut genug zu sein, macht viele Schülerinnen und Schüler fertig.

Wie wir uns vor negativem Stress schützen können

Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Copings (Stressmanagements). Hier sind ein paar Tipps:

  1. Lass dich unterstützen. Eine Idee ist, im Beruf so manche Arbeit vielleicht zu delegieren oder ganz einfach jemanden um Hilfe zu bitten. Man muss nicht alles alleine schaffen!
  2. Setze Prioritäten. Was ist gerade am wichtigsten? Was kannst du vielleicht auch erst morgen oder übermorgen erledigen? Mach eines nach dem anderen, so wird die große Menge an Arbeit auch überschaubarer.
  3. Sag auch mal nein. Wenn du das Gefühl hast, dass dir alles zu viel wird, musst du nicht auch noch die Aufgaben anderer erledigen. Erkläre doch einfach, dass du gerade viel zu tun hast, bestimmt triffst du in vielen Fällen auf Verständnis.
  4. In der Organisation liegt der Schlüssel. Versuche, für alles eine richtige Zeit zu finden, denn Timing ist das A und O. Es ist zum Beispiel eher suboptimal, die ganze Nacht vor einer Prüfung durch zu lernen. Abends ist man weniger leistungsfähiger, alles ist nur im Kurzzeitgedächtnis und dann gleich wieder vergessen und du bist bei der Prüfung selbst wahrscheinlich zu müde, um dein Wissen anzuwenden. Versuche lieber, schon eine Weile vorher zu beginnen und immer nur für kurze Zeit zu lernen, damit du auch noch Zeit für Dringenderes hast. Durch viele Wiederholungen ist das Gelernte dann auch länger abrufbar.
  5. Mach ausreichend Pausen. Der Körper braucht immer wieder Zeit, sich zu regenerieren und um Kraft zu tanken. So erhältst du auch länger deine Konzentrationsfähigkeit aufrecht. Vergiss also nicht, genügend Zeit dafür einzuplanen!
  6. Belohne dich auch mal selbst. Wenn du gerade irgendetwas erledigt hast, auf das du ursprünglich gar keine Lust hattest oder vor dem du großen Respekt hattest, darfst du auch ruhig einmal stolz auf dich sein. Gibt es irgendetwas, das du gerne hättest oder nach dem du dich sehnst? Ein gutes Essen mit FreundInnen? Eine neue Uhr? Oder einfach nur ein Fernsehabend? Tu dir etwas Gutes, du warst heute schon fleißig genug!
  7. Such dir etwas, das dich ausgleicht. Fast jeder hat eine Aktivität, bei der er sich fallen lassen kann. Ganz egal, ob Musik, Sport oder Meditation. Wenn du deine noch nicht kennst, probiere einfach Neues aus und schau, wo du dich wohl und ausbalanciert fühlst.
  8. And last but not least: Lache! Lachen wirkt sich positiv auf unseren Körper und unsere Seele aus und ist ein bewährter Helfer bei Stress! Für alle Neugierigen: Es gibt beispielsweise auch Lachyoga, wo es eben genau darum geht, Entspannung mit Lachen zu verbinden. Letztes Jahr bin ich ganz zufällig in einen solchen Kurs gegangen und es war wirklich interessant und witzig.

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Am allerwichtigsten ist aber natürlich, dass du selbst aufhörst, zu viel von dir zu erwarten. Du musst nicht perfekt sein, denn niemand ist das!

 

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 21.03.2019 bearbeitet.

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