Nein, ich bin nicht objektiv, verdammt!

Wissen
Clara Porak / 25.05.2016
lernen, schüler, schule, matura, abitur

Montag, 9. Mai, 8:30. „Viel Glück und gutes Gelingen“, sagen nun wohl simultan DirketorInnen im ganzen Land. Simultan schwitzen auch MaturantInnen im ganzen Land und versuchen panisch die Ruhe zu bewahren. Es ist so weit. Zentralmatura 2016. Deutsch. „Einfach“, haben sie gesagt. „Muttersprache“, haben sie gesagt. Als würde das die Panik lindern oder uns auf die Konfrontation mit Veganismus und der eigenen Unfähigkeit sowie Engstirnigkeit auf einmal vorbereiten! Naja, immerhin können jetzt MaturantInnen im ganzen Land im Kollektiv über Lisa und Michaels Vorliebe für Pastinaken und ihre Waschmittel aus Kastanien und Hula-Hoop Reifen lachen. Reif? Vielleicht nicht unbedingt. Aber was ist schon Reife? Lächerlich. Eine Zusammenfassung zu schreiben um seine Reife zu beweisen verwandelt diese nämlich zwangsläufig in etwas Lächerliches. Und ja das habe ich, ich habe tatsächlich eine Zusammenfassung als Maturatextsorte geschrieben.  Das soll ernsthaft beweisen, dass ich reif bin? Eine Zusammenfassung beweist noch nicht mal mein Leseverständins, verdammt! Ich müsste diesen hochintellektuellen Text über Urban Gardening nicht mal verstehen, um ihn zusammenfassen zu können! Ein Schimpanse könnte das. Ein unreifer Schimpanse.  

Aber das war ja noch Kindergarten. Dienstag. Der jüngste Tag. Mathematik und Weltuntergang. Mit Bauchmuskelkater (aufgrund einer Vielzahl an Memes und Lachanfällen wegen Lisa und Michael am Vortag - etwas Gutes hatte die Angabe also mit Sicherheit) und Angstschweiß beginnt etwas, das sich wie die „Hungerspiele“ anfühlt, erneut. Ich öffne mein Aufgabenheft und frage mich, wieso es Phi geben muss. Und Multiple-Choice Formate. Wieso?

Während der nächsten viereineinhalb Stunden steigt meine Verzweiflung exponentiell, bis ich am Höhepunkt rufe: „Oh Bifie, mein Bifie, warum  hast du mich verlassen?“ und dann die Monotonie meiner Emotionalität ändere. Von nun an fällt meine Stimmung streng monoton in unendliche Tiefen.

„Genug Mathe. Für immer“, denke ich, als ich mich irgendwann geschlagen gebe und Teil 2, der meiner Meinung nach ja ohnehin nur ein schlechter Witz sein konnte: Würfel mit Minus 6 und Null, ernsthaft?!, abgebe. Ich frage mich unwillkürlich, ob ich es vielleicht dem Schüler Gerber nach tun sollte, doch dann fällt mir ein, dass ich das Buch ja nie gelesen habe, da nun kein Wert mehr auf Literatur, sondern nur noch mehr auf Sachtextanalyse und Zusammenfassung gelegt wird, und resigniere erneut. Beati pauperi spiritu.

So gerne ich mich jetzt noch über Englisch aufregen würde, in der Listening kam Bruce Springsteen vor. Und er hat gesungen. Es konnte also nicht so schlimm sein.

Das also war sie. Meine Matura. Keine Ahnung, was ich denken soll. Keine Ahnung, wie ich das fand. Relativ Kacke eigentlich. Weil Matura halt. Aber was ich mich schon auch fragen muss ist folgendes: ist es wirklich so eine schlechte Idee Bildung endlich vergleichbar und Tests halbwegs fair machen zu wollen? Ist es wirklich so furchtbar, von jeder/jedem ÖsterreicherIn, die/der die Matura hat, das Selbe erwarten zu können? Ist das nicht vielleicht sogar besser? Ja, wir, wir, die wir dieses und letztes und nächstes Jahr maturieren haben die Arschkarte. Das ist blöd. Aber irgendwo muss Veränderung beginnen, warum also nicht bei uns?

Die Zentralmatura nervt. Wir haben Panik. Und das ist echt beschissen, aber die Idee, die Idee der Zentralmatura, die ist es finde ich, nicht. Und vielleicht können wir ja eines Tages stolz darauf sein, der Beginn einer wesentlichen Veränderung gewesen zu sein.

@jugendportal auf Instagram

Jugendportal.at wurde zuletzt am 14.08.2019 bearbeitet.

Partner