Single Bells, Mingle Bells, Single-Mingle all the way

Leben
Alina Kleinbichler / 18.12.2018
dating

Wir sind die Generation Z. Ich bevorzuge ja eher den von Autor Michael Nast geprägten Begriff „Generation beziehungsunfähig“. Dass sich unsere Werte und Einstellungen in Sachen Partnerschaft und Liebe in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert haben, ist offensichtlich. Doch sind wir, die heutige Jugend, tatsächlich beziehungsgestört oder haben wir lediglich andere Vorstellungen einer Partnerschaft?

Die meisten von uns kennen bestimmt folgende Situation: du datest jemanden, es läuft ziemlich gut, ihr beide mögt euch, verbringt viel Zeit miteinander, aber trotzdem habt ihr keine feste Beziehung. Ihr wollt es locker halten – zumindest einer von euch. Genau da sind wir schon am kritischen Punkt angekommen. Fast immer ist es dann wohlbekannt so, dass einer von euch beiden schlussendlich doch Gefühle entwickelt und dies früher oder später - jedoch sehr sicher - zum Ende eurer Freundschaft Plus führt. Nicht selten sogar zum Ende eurer Freundschaft.

Freunde mit gewissen Vorzügen zu sein, bringt nichtsdestotrotz einige Vorteile mit sich.  Beispielsweise ist man auf diese Weise kein kompletter Single. Nicht, dass das etwas Schlechtes wäre. Viele von uns lieben es Single zu sein. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis weiß ich allerdings, dass die meisten sogenannten „Schatzlosen“ sich immerhin ab und zu nach Nähe, Zuneigung und Zärtlichkeiten sehnen. Dafür ist eine Freundschaft Plus optimal. All die genannten Sehnsüchte werden erfüllt und das ganz ohne Verpflichtungen oder eine Bindung einzugehen. Du kannst nebenbei ruhigen Gewissens andere potentielle Schätze daten, damit du ja keinen besseren verpasst. Das wäre doch ziemlich schade.

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Wenn du dich dagegen eher nach etwas sehnst, das ein bisschen fixer ist, dann wäre das Mingle-Dasein eine weitere Option für dich. Im Endeffekt weißt du vermutlich besser Bescheid, worum es sich dabei genau handelt. Aber grob gesagt, ist es das gleiche wie eine Freundschaft Plus, nur eine Spur weniger unverbindlich. Häufig daten Mingles nur diese eine Person, wollen aber trotzdem aus den verschiedensten Gründen keine feste Bindung eingehen. Dies kann etwa sein, wenn jemand gerade frisch aus einer Beziehung kommt und etwas Freiraum für sich selbst benötigt. Oder aber jemand ist generell eine sehr freiheitsliebende Persönlichkeit und sieht eine feste Partnerschaft als Einschränkung an.

Das alles mag momentan so klingen, als würde niemand mehr eine traditionelle Partnerschaft führen, beziehungsweise führen wollen. Dies ist natürlich nicht der Fall. Noch immer schaffen es etliche Pärchen langfristig glücklich in einer dauerhaften Beziehung zu sein. Gott sei Dank gibt es diese Paare noch! Sie stellen nach wie vor für viele Jugendliche wichtige Vorbilder dar. Wie man sieht, hat die heutige Jugend einen wirklich großen Spielraum, wenn es um die Liebesleben-Gestaltung geht. Ob vergeben, Single, Mingle oder doch lieber Pringles©-Liebhaber, Hauptsache du bist happy – darum geht es schlussendlich doch jedem von uns. Dafür leben wir, die Generation Z.

Beziehungsfähig sind wir eventuell in gewisser Hinsicht. Ja, das mag schon sein. Es ist mittlerweile zu einer Seltenheit geworden, dass sich zwei Menschen daten und beide an etwas Festem interessiert sind. Wohlmöglich tragen Tinder, Lovoo und Co. auch ihren nicht zu unterschätzenden Teil dazu bei. Es ist sehr leicht, jemanden für eine Nacht auf solchen Dating-Apps zu finden, jemanden für ein Leben – ja ich weiß, das klingt kitschig – dagegen schon viel problematischer. Beziehungsgestört sind wir aber keinesfalls. Wir zeigen schließlich Interesse, wollen daten, daten vielleicht sogar mehr als je zuvor. Nur die Art und Weise des Datens und die Möglichkeiten sowie Umstände einer Partnerschaft haben sich verändert. Ob das schlechter oder besser als früher ist, kann ich nicht sagen. Ich lebe schließlich in der Welt der Mingles. Anders ist es jedenfalls.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 18.06.2019 bearbeitet.

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