Spieglein, Spieglein an der Wand! Wer hat die Zukunft in der Hand?

Umwelt
Andrea Ortner / 06.03.2019
Hände Weltkugel

Winter. Und was für einer.  Ich schaufle, schaufle,… aber die weißen Massen werden nicht weniger. Zwei Stunden später kühle ich meine glühenden Hände mit etwas Schnee. Langsam schmilzt das kalte Weiß und rinnt in kleinen Strömen zu einem See auf meiner Handfläche zusammen. Und ich erinnere mich an etwas, das ich manchmal vergesse. Nicht, weil es mich nicht betreffen würde, im Gegenteil. Aber im Angesicht von Polkappen, die, wie der Schnee in meiner Hand, erschreckend schnell schmelzen, somit den Meeresspiegel erhöhen und Küstengebiete schon bald unter Wasser setzen werden, ist es manchmal bequemer, diese Fakten einfach auszublenden. Wir leben ja zum Glück nicht im Norden Sibiriens, in Nowaja Semlja, wo vor kurzem der Notstand aufgrund von plündernden Eisbären ausgerufen wurde. Dass diese aus ihrem natürlichen Lebensraum, der viel weiter nördlich liegt, nur deshalb abwandern mussten, weil ihnen buchstäblich der Boden unter den Tatzen wegschmilzt, ist sekundär – sie müssen weg. Es werden wieder mal Symptome bekämpft, anstatt sich an die Ursachen heranzuwagen. Doch egal wie viele Eisbären verjagt werden, wie viele Dämme man an den Küsten auch bauen mag, wie sehr Donald auch darauf pocht, dass der Klimawandel nicht existiert -  ein Blick in den IPCC (Intergovernmental Panel On Climate Change) Report von 2018 [2] reicht, um zu verstehen: Wir müssen die Wurzel des Problems bekämpfen. Time is up.

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Worin liegen nun aber die Ursachen? Hauptübeltäter sind die Treibhausgase CO2 (Kohlenstoffdioxid) und CH4 (Methan), die zum Beispiel bei Kohlekraftwerken, durch Autoabgase und im Zuge der Fleischproduktion entstehen. Fleischproduktion? Oh ja: Laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO entstehen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen im Zuge der Haltung von Tieren und der Weiterverarbeitung von Fleisch.[3] Die genannten Gase sammeln sich in der Atmosphäre, wo sie den an sich lebensnotwendigen Greehouse-Effekt empfindlich stören bzw. ungesund verstärken. Vereinfacht ausgedrückt bilden diese Treibhausgase eine Schicht, die die von der Erde abgestrahlte Wärme nicht nach außen durchlässt und sie so in der Atmosphäre behält…. wodurch schließlich der ganze Planet erwärmt.

Wie können wir nun verhindern, dass sich die Wüstenbildung beschleunigt, Küstengebiete verschwinden und Abermillionen Menschen als Klimaflüchtlinge enden? Auf den ersten Blick, nicht viel. Wir haben die kritische Grenze, um vorindustrielle Zustände wiederherzustellen, längst überschritten. [2] Jetzt gilt es, die Erwärmung unter  +1,5° Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten, um ökologische Katastrophen, wie zum Beispiel ein noch größeres Artensterben im Meer aufgrund von Temperaturänderungen, zu verhindern. Am Zug sind hier in erster Linie Staatenlenker/ -innen und die zuständigen Industrien. Wir müssen in „saubere“ Energie, wie Wasser- oder Windkraft investieren, gleichzeitig klimaschädliche Energiegewinnung, die auf Kohle  oder Erdölprodukten basiert, schrittweise abschaffen und Wälder wieder aufforsten. Die UN-Klimakonferenzen in Paris (2015) und Katowice (2018) sind ein guter Anfang, noch ist die Abhängigkeit von Öl und Kohle aber groß. Doch wo ein Wille, da ein Weg mithilfe der Wissenschaft. Soweit also sind diesbezüglich „die da oben“ gefordert. Doch was kann der einzelne Mensch, ein klitzekleines Rädchen im großen, globalen Getriebe, selbst ausrichten?

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Plakativ gesprochen: den eigenen Lebensstil ändern und die Welt im Kleinen verbessern. Dabei muss niemand radikal auf vegan, zero-waste oder autofrei umsteigen. Abgesehen davon, dass viele diese selbst auferlegten Vorschriften nicht durchhalten, geht es viel mehr um einen ganzheitlichen Zugang. Wer sich selbst als Teil des Ökosystems versteht und sich seiner Macht als Konsument/ Konsumentin (Fleisch, Importware), sowie als Produzent (Abgase, Müll) bewusst ist, kann an zahlreichen Stellen ansetzen, den Lebensstil umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten. Es muss ja nicht jeden Tag Fleisch sein – warum nicht nur am Wochenende oder zu besonderen Anlässen? Warum nicht mit einem fleischfreien Tag pro Woche starten? Nach dem gleichen Prinzip könnte man versuchen, das eigene Auto öfter stehen zu lassen. Gerade in Städten gibt es sehr gute öffentliche Verkehrsmittel, aber auch Radfahren oder Fahrgemeinschaften zu gründen sind vielversprechende Optionen.

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Klimafreundlich einzukaufen ist ebenfalls machbar – am besten, wenn man gleich zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Weg ist, damit man das Gewicht eines Einkaufes auch selber zu spüren bekommt. Generell gilt: Regional/so nah wie möglich produzierte Ware hat Priorität, bio und „Fair Trade“ sind das Nonplusultra. Bewusste Einkäufer und -käuferinnen achten übrigens auch darauf, weniger (!) Tierprodukte zu kaufen und der Umwelt zu Liebe Verpackungsmüll zu vermeiden. All die genannten Aspekte verbindet eine Grundeigenschaft: REDUKTION. Dabei ist klar, dass hier vor allem Bürger und Bürgerinnen der ersten Welt, der Industrienationen gemeint sind, das Problem an sich ist aber KEIN sogenanntes „First-World-Problem“. Globale Erwärmung ist auch ein globales Problem. Das erkannte auch Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin wurde jüngst durch ihrem „Schulstreik für das Klima“ weltweit bekannt. Im Dezember 2018 war sie sogar Teil der UN-Klimakonferenz, wo sie vor den versammelten UN-Vertretern und Vertreterinnen polterte: "You are stealing our future!". Deswegen sei sie bekennende Klimaaktivistin. Deswegen sollte jeder und jede einzelne von uns Klimaaktivismus betreiben – sei es nun im Supermarkt, am Fahrrad oder bei den Vereinten Nationen. Wir haben es in der Hand – und die Zeitbombe tickt. Denn sobald die Polkappen wie der Schnee in meiner Hand wegschmelzen, bleibt uns nichts. Nichts, außer Logenplätze für den Untergang der Menschheit.

Fussnoten

[1] Salzburger Nachrichten: „Eisbären lösen Notstand aus“, 11.2.19

[2] IPCC 2018 (14.02.2019)

[3] FAO (13.02.2019)

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 21.08.2019 bearbeitet.

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