Wachstum im Wandel: Growing Pictures - ein Interview mit Emmerich Weissenberger

Kultur & Events
Clara Tomschi / 21.11.2018
Johanna Daser / 21.11.2018
Art workshop

von Clara Tomschi und Johanna Daser

Im Zuge der Wachstum im Wandel-Konferenz im Austria Center Vienna vom 14. bis 15. November 2018 organisierte der Künstler Emmerich Weissenberger gemeinsam mit Wolfgang Weinlich den Art-Workshop „Growing Pictures“. Emmerich wandte sich schon in jungen Jahren der Kunst zu und schaffte den Durchbruch durch die Verbindung von Malerei der inneren Werte und ökonomischen Themen.

Youth Reporter: Ein Kunstprojekt. Sechs Fahnen. Jede Fahne ein Thema, das in der Konferenz behandelt wurde. Mit Titeln wie  "Social and ecological Innovation" und "The role of the United Nations Sustainable Development Goals". Jede/r Interressierte hat die Möglichkeit, sich auf diesen künstlerisch zu äußern.

Wachstum im Wandel ist eine Schnittstelle von Entwicklung als breites Gesellschaftssystem, Wirtschaft, Soziales, Ökologie und Politik. Wie ist das entstanden – wie sind wir zu dem Kunstprojekt gekommen?

Wolfgang Weinlich, ein Künstlerfreund, der in die Akademie pädagogisch Kunstlehrer ausbildet hat mich einfach angefragt, weil ich seit 2014 ein Kunstlabor betreibe, das sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Das ist in Wien, angedockt am Plenum, das ist ein Institut für nachhaltige Entwicklung, ein wissenschaftliches Institut, das auch große Unternehmen begleitet und da arbeite ich als Künstler seit 2004 begleitend mit.

Wir versuchen eine Art Resonanz aus den Vorträgen zu kriegen, als Botschafts- und Signalpool und wir hängen die dann in den Hauptsaal und dann geht’s weiter in eine Art Kunstbuch, das wird in einem 18-Seitigen Leporello dickseitig, schön abgedruckt und dann noch mit anderen Zeichnungen von mir versehen und das soll eigentlich ein Initialwerk sein für ein Nachhaltigkeitsmuseum.

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Youth Reporter: Nachhaltigkeitsspace

Es ist ein informeller Container oder Labor, also nichts Gebautes, wir haben ein EU-Projekt, also Nora und ich wohnen in Schloss Landersdorf bei Krems. Da betreiben wir das als Space mit anderen Leuten. es gilt für uns Menschen zu erreichen und Raum zu schaffen aus der Kunst heraus – wir sind Künstler und keine Politiker und keine Wissenschaftler- wir sind einfach Künstler und versuchen mit unseren Mitteln Raum zu schaffen für Begegnungen für Themendiskurs aber auch für Erfahrungen.

Youth Reporter: Geld ist Blut

Es gibt immer ein Risiko. Oder wir landen mit dem Hubschrauber vor der A1 Telekom, wenn die Aktien manipulieren. In der österreichischen Verfassung ist verankert, dass wir hier als Künstler intervenieren können, wenn wir das Bedürfnis haben. Dann komm ich mit dem Hubschrauber daher und mit meinem selber gedruckten Geld, auf dem ein neues Geldverhalten draufsteht. Wir sind reich, es reicht für alle aber es reicht auch! Dieses Auf-die-Seite-Raffen. Geld ist Blut, wir müssen es in Umlauf bringen, es muss fließen, muss geteilt werden, es muss ein Austausch zwischen den Menschen stattfinden. Es gibt dieses Credo der Transformation, das ist auch auf dem Geldschein drauf. Es ist eine Art Poem, das auf 13 Strophen basiert, nimmt Bezug zu sozialen, zum Geistigen, zum Spirituellen.

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Youth Reporter: "Im Oasch zu Haus"

Wir sind vor dem Hauptquarttier der Telekom gelandet, haben ein riesen Banner aufgestellt mit dem A-Theater, Österreich-Austria-A-Theater und dort haben wir dann würdevoll dieses neue Geld übergeben. Die Kronen-Zeitung hat dann groß im Internet den Qualtinger gespielt, á la „wir sind im Oasch zu Haus“. Das war die totale Ehrung, die haben es verstanden. Und mir geht’s darum, dass der Boulevard das verstehen kann. Uns geht es darum, Signale und Botschaften zu senden.

Youth Reporter: Kunst, für jeden verständlich

Mir geht’s auch um einen guten Kunstdiskurs, ich komm aus der Zeichnung, aus der Malerei, aus der Metallbildhauerei, mir geht’s auch darum einen ästhetischen Begriff zu formulieren. Materialien zu verwenden die sauber sind. Also ich arbeite auch mit Schrott, aber immer mit einem ästhetischen Hintergedanken.

Ich will den Leuten Freude bereiten. Es soll anziehend wirken. Zum Beispiel bei einer Kunstaktion vorm Parlament oder so, sind die Leute sind vielleicht aber dann werden sie abgeholt, zum Beispiel mit Mediatoren, die alles erklären. ich finde, ein zeitgenössischer Künstler muss sich erklären können und einen Zugang für die Leute schaffen, die Hand hinstrecken, nicht nur im elitären.

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Youth Reporter: Begrenzte Ressource Leben

Ich will einen Zugang ermöglichen, auch zu essenzielle Themen. Bis zum Tod, um dieses Leben zu begreifen. Regelmäßig zu Allerheiligen und Allerseelen bin ich 2-3 Tage in der Anatomie Wien. Ich bin drinnen mit den Toten, oft frisch Verstorbene. Ich nehme die Totentücher ab, mit Pigment, lese Texte, um voll dem Tod zu begegnen. Nachhaltige Entwicklung, das heißt begrenzte Ressource Leben.

In der Kunst, in unserem Studium, zeichnen wir auch Anatomie. Also die Begegnung mit dem Tod, die ist ganz essentiell. Deswegen ist da drüben auch der Totenkopf, der ist von einer Frau mit drei Kindern, das sieht man an den Zähnen. Wir reden über die siebzehn SDGs (Anm.: Sustainable Development Goals) und da steht gegenüber einfach der Tod. Also hey, entweder wir begreifen sie und reden nicht nur über sie, sondern setzen sie um, bringen sie auf den Boden, oder was? Ich meine das nicht böse. Wir sind das Kind in der Sandkiste. Ich meine, wir sind in der Sandkiste und wir begreifen es, wir lernen es.

Youth Reporter: "Feel-Inside" - eine schwarze Box mit vier Öffnungen

Es geht grundsätzlich um Begegnung. Also Feel-Inside verbreitet auch die Message: „He, ich muss mir selber begegnen.“ Ist ja logisch. Ich muss in mich gehen. Das ist ein Transformationsprozess, welcher mit mir selber zu tun hat. Zutiefst. Also wenn ich mich nicht verwandle, wird sich da auch nichts verwandeln. Nicht nur, dass ich mich so ständig verwandle. Altern. Essen. Verdauen. All das ist Verwandlung. Wie soll ich auf die Innovation kommen, wenn ich nicht auf mich selber schaue?  Wo liegt die Innovation? Ist es eine tiefe Liebesempfindung an den Nächsten gegenüber? Oder ist auch eine Art von Mut auch einmal Nein zu sagen und mich abzugrenzen? Es gibt viele Notwendigkeiten. Die Menschen tun so kompliziert, aber es ist im Grunde ganz nahe. Das bin nämlich ich.

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Youth Reporter: Durschnittene Fäden, Künstler, die gebraucht werden müssen und große Herzen.

Mit fünfzehn habe ich eine Kunstschule gemacht und bin dann vom Internat abgehauen, weil ich wusste, dass es so nicht weiter geht. Ich hatte immer schon Ideale- so alte Künstler halt. Picasso und wie sie alle heißen. Und das habe ich irgendwie schon mit 15, 18, 17, 19 gelebt. Ich bin dann nach Südamerika. Also ich habe zuerst Zivildienst gemacht und mit Geistig- Behinderten gearbeitet. Das hat mich zutiefst beeindruckt. Ich konnte mit denen Kunst machen und bin dann nach Südamerika. Und beim zurückfliegen ist meine Freundin eingestiegen und ich bin einfach dortgeblieben. Das war essentiell, denn ich habe einfach all meine Fäden durchgeschnitten. Ich bin ins Nichts gesprungen und bin erst nach einem Jahr wieder zurückgekommen und habe letztendlich sieben, acht Jahre in Kolumbien gelebt, in einem Land das Kriegt gehabt hat. Ich hatte dort Frau und Kinder und habe immer Kunst gemacht. Als ich dann wieder hergekommen bin habe ich fertig studiert. Und dann habe ich es wirklich auf den Boden gebracht. Ich habe klassisch mit Malerei und Zeichnungen mein Geld verdient. Ich habe immer auf diesen gesellschaftlichen Auftrag gehofft. Künstler müssen und wollen gebraucht werden. Wir heischen um Anerkennung. Da hat sich eine Lücke aufgetan- nachhaltige Entwicklung, Wertecredo und die anderen großen Themen. Was braucht die Welt? Und da habe ich mich eingeklinkt. Also was ich eh schon immer zeichne: Innere Welten. Innere Bilder. Und die habe ich dann in Verbindung bis in die Wirtschaft gesetzt. Ich arbeite da in Vorstandshearings und begleite mit Zeichnung und fertige Portraits an. Die kriegen dann Hörner. Und große Herzen, wenn einer dann so emphatisch in dem Eck hängt, und alles spürt aber sich nicht bewegen traut. Das kann ich zeigen und gebe dem Worte. Das macht mich zum Künstler.

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Youth Reporter: Was können sie unserer Generation mitgeben, als Botschaft?

Ich arbeite viel mit Jugendlichen und habe selber drei Kinder. Ich sag euch eines, ich habe so eine große Ehrfurcht vor euch. Mir ist das so ein riesen Bedürfnis euch zu unterstützen, oder meine Kinder zu unterstützen. Oder einfach nur Corporate- Partner zu sein. Versteht ihr? In Kooperation gehen zu können. Ich bitte einfach nur um Kooperation.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 17.01.2019 bearbeitet.

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