Warum ich seit 7 Monaten Instagram frei lebe

Leben
Elsa Herndler / 25.10.2018
Instagram

Als ich mich im Februar wieder einmal beim Lästern über mein liebstes Soziales Netzwerk erwischte, entschied ich mich dazu, nicht nur die App auf meinem Handy vorübergehend zu löschen, sondern mich ein für alle Mal von meinem Instagram-Account zu verabschieden. Mag für manche nicht so schlimm klingen, für eine regelmäßige Nutzerin (Süchtige) ist das aber gar nicht so einfach und als ich voller Adrenalin meinen rund 300 Followern „Adieu“ sagte, fühlte ich ein leichtes Gefühl der Panik. Nie wieder Menschen stalken und nie wieder Herzen zählen.

Instagram hat sich in den letzten Jahren zu dieser riesigen Plattform entwickelt bei der es um den perfekten Feed, die meisten Follower und die unauffälligsten Produktplatzierungen geht. Erfolgreich auf Instagram zu sein, ist mittlerweile ein Job und aus der Leichtigkeit, Fotos und Videos mit Freunden zu teilen, hat sich eine durchgeplante Routine von Fotoshootings, Bearbeiten von Bildern und somit der perfekten Selbstinszenierung entwickelt. In den letzten Jahren wäre es unvorstellbar für mich gewesen, etwas Cooles zu erleben und das nicht zu posten. Das kann stressig sein, denn das perfekte „Instafoto“ braucht viel mehr als nur einen Moment und eine Kamera. Den engsten FreundInnen Urlaubsfotos zu zeigen, ist mittlerweile altmodisch geworden. Stattdessen teilen wir sie mit Menschen, die wir vielleicht gar nicht persönlich kennen und es gibt doch immer die Follower, die wir eigentlich nicht leiden können. Menschen, denen wir in der normalen Welt aus dem Weg gehen. In der Instagram-Welt werden wir zum Abonnenten/zur Abonnentin. Es ist schwer nicht herausfinden zu wollen, was deine Feinde so treiben und auf Instagram ist ein Feind wenigstens ein Follower mehr. Es scheint, als ob Quantität die Qualität bestimmt. Egal ob guter oder schlechter Content, solange er gesehen und geliked wird, ist das gut fürs Geschäft. Ein Geschäft, das ich unterstützt habe und ein Geschäft, das mir mittlerweile viel zu oberflächlich geworden ist.

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Natürlich ist Instagram für mich nicht nur böse, aber eine Pause ist schon gut. Ich wollte einfach mal Tschüss sagen. Tschüss zu den perfekten Menschen, die ich nicht kenne und der ganzen Zeit, die ich mit scrollen verschwendet habe. Mittlerweile weiß vielleicht nicht jede/r, dass ich vor kurzem am Meer war, aber wenigstens kann ich meinen FreundInnen Fotos zeigen, auf denen ich vielleicht nicht das coolste Outfit trage, aber zu denen ich eine Geschichte weiß.

Und die Angst, dass ich nur mit dem perfekten Feed und den meisten Likes in meiner Generation existiere, kann ich endlich ablegen.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 16.09.2019 bearbeitet.

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