Wie du dein erstes Semester an der Uni (inklusive Klausurphase) überlebst

Leben
Linda Thomas / 13.02.2019
Leerer Hörsaal an der Uni

Ich studiere nun seit einem Semester Jus (Rechtswissenschaften) an der Johannes Kepler Universität (kurz JKU) in Linz. Mein Studium hat am 1. Oktober 2018 begonnen und ich habe nun schon einen ganz guten Einblick ins Uni- und Studentenleben. Hier ein kleiner Guide an alle Erstsemester und die, die es noch werden wollen. Und noch ein paar Anekdoten aus meinen ersten Wochen.

1. Lerne den Campus schon vor dem Unistart kennen

Nichts macht einen nervöser, als am ersten Tag in der Uni zu stehen und keinen Plan zu haben, wo man hin muss. Rings um einen herum lauter fremde Gebäude und die einzige Info die man hat ist, dass man in 5 Minuten im Hörsaal 6 sein muss. Mache diesen Fehler nicht, sondern fahr am besten schon vor dem Unistart an deine Uni, schau dich um und suche die Räume und Hörsäle, die du in der ersten Woche brauchst.

Meistens gibt es ein bis zwei Wochen vor dem Unistart auch Einführungstage bei denen StudentInnen Campusführungen anbieten. Da kannst du dir auch Insidertipps holen, z.B wo es günstiges und zugleich leckeres Essen gibt. Ich hatte das Glück in den Sommerferien der letzten zwei Jahre auf dem Unicampus arbeiten zu können. Ich musste Kinder zu verschiedenen Kursen bringen und kannte so ziemlich schnell alle relevanten Gebäude. Kleiner Tipp am Rande: Lass dich von den Namen nicht täuschen: Nur weil ein Gebäude Hörsaalgebäude heißt, bedeutet das nicht, dass sich alle Hörsäle darin befinden.

2. Schließe Freundschaften

Nachdem du am ersten Unitag deinen Raum gefunden hast, geht‘s an die nächste Aufgabe: neue Leute kennenlernen. Am einfachsten geht das, wenn du dich im Hörsaal zu jemandem setzt, der auch alleine sitzt und denjenigen oder diejenige einfach ansprichst.

Vielleicht entdeckst du ja auch schon bekannte Gesichter, von Leuten die mit dir in die Parallelklasse gegangen sind. Bei mir war es eine Mischung aus beidem: Ich bin am ersten Unitag mit einem Mädchen zusammengestoßen, dass mit mir in die Parallelklasse gegangen ist. Ihre beste Freundin war auch dabei und so waren wir gleich mal zu dritt. Ein anderes Mädchen hab ich einfach im Hörsaal angequatscht. Ich zähle auch nicht gerade zu den extrovertierten Menschen und würde mich als schüchtern bezeichnen, allerdings merkt man ziemlich bald, dass man im Studium Freundinnen und Freunde braucht. Leute mit denen du den Vorlesungsstoff besprechen kannst, die gemeinsam mit dir in der Mensa essen, mit dir lernen oder sich gemeinsam mit dir vor der ersten Klausur fürchten.

3. Gründe eine Lerngruppe oder tritt einer bei

Es gibt Vorlesungen die toll sind und bei denen die Professorinnen und Professoren alles super erklären und im besten Fall nach Lehrbuch vorgehen. Und dann gibt‘s noch jene, bei denen die PowerPoint in absolut keinem Zusammenhang zum Wortlaut der Professorinnen und Professoren steht und du auf die Frage ob man das denn in der Klausur genau so schreiben könne, wie im Fallbeispiel ein „Um Gottes Willen, nein, bloß nicht“ als Antwort erhältst. Bevor du komplett verzweifelst, suche dir Gleichgesinnte, denen es genau so geht und gründe eine Lerngruppe. Irgendjemand hat einen Lösungsansatz oder den Stoff doch verstanden und gemeinsam lässt sich eine gute Strategie erarbeiten wie man an die Klausur herangeht. In manchen Fächern ist es auch so, dass man nur gemeinsam auf ein gutes Ergebnis kommt, da man in der Klausur verschiedene Ansichten vorweisen muss. Und außerdem: Geteiltes Leid, ist halbes Leid.

4. Kauf nicht alle Bücher neu

In den ersten Vorlesungen bekommst du von den Professorinnen und Professoren erklärt, welche Lehrbücher du für das jeweilige Fach benötigst. Plottwist: Es sind meistens ihre eigenen Bücher. Deine Begeisterung, mit der du gleich in das nächste Buchgeschäft stürmst, wird spätestens dann verschwinden, wenn du das Preisschild erblickst. 70 Euro für ein Buch ausgeben zu müssen ist keine Seltenheit und wenn du dann gleich mehrere Bücher für ein Fach brauchst, reißt das ein ganz schönes Loch ins berühmte Studentenbörserl. Deshalb mein Tipp an dich: Kauf nicht alle Bücher neu. An der JKU gibt es die Bücherbörse der ÖH (deiner Studierendenvertretung), wo es gebrauchte Bücher zu günstigen Preisen zu kaufen gibt. Gebraucht heißt nicht automatisch schlecht, denn mit etwas Glück findest du dort komplett neue, aktuelle Bücher, die jemand einfach nicht gebraucht hat. Erkundige dich einfach beim jeweiligen Professor oder der jeweiligen Professsorin, wie aktuell die Auflagen der Bücher sein müssen. Für die angehenden Juristinnen und Juristen unter euch: Gesetzestexte müssen immer am aktuellsten Stand gekauft werden, da sich in der Rechtssprechung jedes Jahr einiges ändert. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Verlage, zu unterschiedlichen Preisen. Und wenn du dich erkundigst bekommst du mit einem Hörerschein oder deinem Studentenausweis sogar eine Vergünstigung. Ich habe den Großteil meiner Lehrbücher gebraucht gekauft und so gut und gerne 150 Euro gespart.

5. Lass dich nicht von anderen verunsichern

Mein Entschluss Jus zu studieren stand ungefähr ein Jahr vor der Matura fest. Als ich dann anfing meinen FreundInnen und meiner Familie davon zu erzählen, stieß ich meistens auf Aussagen wie: „Bist du dir da wirklich sicher?“ und „Na da bin ich gespannt wie lange du das durchhältst“ Andere Bekannte sagten: „Also ich könnte das nicht, das wär mir viel zu trocken.“ Und sobald ich dann wirklich studierte sagten mir die Leute: „Du findest doch sowieso keinen Job.“

Lass dich nicht verunsichern und glaube nicht alle Klischees und Gerüchte die über deinen Studiengang erzählt werden. Du hast dich aus guten Gründen für deinen Studiengang entschieden. Selbst wenn du dann merkst, dass dein Studium doch nichts für dich ist, hast du es zumindest ausprobiert. Das Jus Studium ist übrigens gar nicht so trocken wie alle sagen, denn das theoretisch Gelernte, begegnet einem plötzlich überall im Alltag. Bei jedem Kauf schließt du eigentlich einen Kaufvertrag ab und bei jeder online Bestellung musst du irgendwelche ABGs (Allgemeine Geschäftsbedingungen) akzeptieren. Zudem hast du auch Lehrveranstaltungen bei denen du das Gelernte anwenden kannst.

6. Lerne richtig

Vielleicht hast du schon gehört, dass auf der Uni der Stoffumfang bei Weitem mehr ist als in der Schule. Deshalb solltest du früh genug zu lernen beginnen. Und wenn du zu spät angefangen hast zumindest einen effizienten Weg finden um den Lernstoff noch vor der Klausur in dein Gehirn zu kriegen. Auf zahlreichen Onlineplattformen findest du alte Klausuren aus vergangen Semestern. Diese zu lösen ist oft eine optimale Vorbereitung auf deine Klausur, weil du zum einen überprüfen kannst, ob du schon genug gelernt hast und zum anderen siehst auf welchen Themen der Schwerpunkt in der Vergangenheit lag. Die Lehrbücher der ProfessorInnen sind nicht immer so gestaltet, dass man auch damit lernen kann. Schau dich nach Alternativen um. Oftmals gibt es Bücher anderer AutorInnen, die denselben Stoff um einiges verständlicher aufbereitet haben.

Dies waren meine Tipps und Tricks, die mich durch mein erstes Semester gebracht haben. Nun bleibt mir nur dir viel Glück, Spaß und Erfolg in deinem Studium zu wünschen.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 15.07.2019 bearbeitet.

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