Open Minds Award: Sharing, connection & celebration

Kultur & Events
Angelika Wanzenböck / 14.11.2018
Open Minds

Wenn innovative und kreative Projekte aus dem Bereich Open Source auf eine einzigartige Party treffen, befindet man sich höchstwahrscheinlich bei den Open Minds.

Das Open Minds ist eine Veranstaltung rund um die Preisverleihung des Österreichischen Open Source Awards, welche dieses Jahr am 9. November zum zweiten Mal stattgefunden hat. Zahlreiche Menschen trafen sich zu diesem Anlass im Palais Wertheim in Wien, um zusammen mit den PreisträgerInnen und allen Nominierten zu feiern.

2017 haben die VeranstalterInnen, der Verein Drupal Austria, mit dem Open Minds eine Bühne und Plattform für österreichische Open Source Projekte geschaffen, da die Community in Österreich äußerst lebendig ist, die wichtigsten Projekte und Personen der Öffentlichkeit jedoch meist völlig unbekannt sind. Der Award wurde in den Kategorien: Open Data, Open Software, Open Hardware, Open Talent und Open Content Management vergeben. 

Gemeinsam weiterentwickeln

Aber was genau ist Open Source? Open Source - „quelloffen“ - nennt man Software, deren Lizenzbestimmungen die Weitergabe des sogenannten Quelltextes zulassen. Programmierungsleistungen und geistiges Eigentum werden zur Entwicklung freigestellt. Open Source Programme sind somit für jeden frei zugänglich. Das bedeutet, dass jede/r diese Programme benutzen kann, Zugriff darauf hat und sie auch weiterentwickeln und verbessern kann. „Es ist nicht abhängig von einer/einem einzelnen EntwicklerIn oder einem einzigen Design.“ Open Source Programme zielen nicht auf Gewinn ab. Der Antrieb für EntwicklerInnen von Open Source ist ihre intrinsische Motivation.  

Und wer an dieser Stelle denkt, dass IT langweilig ist, wird beim Open Minds Award und beim anschließenden Open Source Ball eines Besseren belehrt.

Datenschutzgrundverordnung

Den Auftakt machte der bekannte österreichische Datenschutzaktivist Max Schrems, welcher in den letzten Jahren sehr medienwirksam einen „Kampf gegen Facebook“ um seine persönlichen Daten geführt hat. Mit viel Humor - das Wort „Datenschutzgrundverordnung“ wird wohl zum Unwort des Jahres 2018 gekürt werden - und doch gebührender Ernsthaftigkeit sprach er die Notwendigkeit des Datenschutzes an, die vielen Hürden, die noch zu bewältigen sind und die Notwendigkeit von Open Source Lösungen. Denn laut ihm gilt: „Ohne Open Source kein Datenschutz!“

SoniControl

Um den Schutz der Privatsphäre geht es auch den Entwicklern von SoniControl. Das Projektteam rund um Matthias, Alexis und Florian vom Institut für Creative Media Technologies an der FH St. Pölten will mit seiner Arbeit auf eine kaum beachtete Überwachungstechnologie aufmerksam machen und konnte sich mit ihrer mobilen Open Source App den ersten Platz in der Kategorie Open Software sichern. Mit ihrer App lässt sich akustisches Tracking von Mobiltelefonen aufspüren und auf Wunsch blockieren. 

Akustisches Tracking? Was genau ist denn das?

Wer kennt das nicht: man installiert eine App auf dem Smartphone und diese will Zugriff auf das Mikrofon haben. Vielleicht ist man kurz besorgt, drückt dann aber doch auf „Zugriff erlauben“. Den Zugriff brauchen Anwendungen um etwa Sprachnachrichten zu senden aber auch um mobile Geräte akustisch kommunizieren zu lassen. Will man Geräte, die mit Bluetooth verbunden sind nutzen, wird der allererste Verbindungsvorgang über akustische Kommunikation aufgebaut. Das Gerät, ein Smartphone zum Beispiel, sendet dabei Töne im Ultraschallbereich aus, die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar sind, und diese Ultraschalltöne werden vom Mikrofon anderer Geräte empfangen. Diese akustische Kommunikation ist sehr nützlich. „Wenn ich damit Geräte kopple, also miteinander verbinde, kann das durchaus eine sinnvolle Anwendung sein. Durch diese Technologie kann aber auch das Verhalten der Benutzer beobachtet werden“. Jede Anwendung, die eine Zugriffsberechtigung für das Mikrofon hat, kann theoretisch jederzeit über den Lautsprecher mithören. Und wer garantiert, dass Apps, welche auf Sprache reagieren nicht im Ultraschallbereich mithören und dort Daten aufzeichnen? „Wir wissen es nicht. Es ist ja auch kein Open Source Programm.“

Was genau macht jetzt SoniControl?

Die entwickelte App läuft permanent im Hintergrund mit und beobachtet den Ultraschallbereich rund um das Smartphone. Wird ein Signal erfasst, wird man von der App benachrichtigt und bei Bedarf wird ein Störsignal generiert, welches die gesendeten Daten unbrauchbar macht.

„Wir wollen bewusst einen Mechanismus schaffen um diese Technologie [akustische Kommunikation, Anm.] zu blockieren. Wenn ich das nicht nutzen will, kann ich mich hiermit aus dieser Technologie ausklinken.“

Meet Oskar

Und wenn wir schon bei Smartphones sind: Habt Ihr euch schon mal überlegt wie blinde Menschen ihre Smartphones bedienen? Als die Handys noch Tasten hatten, war es ja irgendwie noch vorstellbar. Aber wie schreibt man Textnachrichten oder E-Mails auf einem Touchscreen, wenn man die Tasten nicht sieht oder fühlt? Irgendwie tricky nicht? Das dachte sich auch Johannes und entwickelte Oskar, eine kleine mobile Blindenschrift Tastatur, die via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden werden kann und wie eine externe Tastatur verwendet wird. Die Jury des Open Minds fand Oskar so toll, dass er für die Kategorie Open Hardware nominiert wurde.

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Auf diesem Bild sehen wir Oskar, seinen Entwickler, Johannes, und mich.

Mit Oskar kann die Blindenschrift Braille ganz einfach am Smartphone geschrieben werden. In der Brailleschrift gibt es 8 Punkte in zwei Spalten und vier Zeilen. Johannes hat auf Oskar die Tasten ebenfalls in diesem System angeordnet.

Bei einem Gespräch am Open Minds erklärte Johannes, dass er Oskar als Open Source Technologie zur Verfügung stellt, damit jeder sie benutzen kann und auch jeder Oskar weiterentwickeln und verbessern kann. „Vielleicht können andere Leute ihre Ideen hinzufügen und an dem Gerät mitarbeiten.“ Ihm ist das wichtig, da er in seinem Beruf auch viel mit Open Source Software arbeitet, diese Offenheit schätzt und weiß, dass Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe, neuer Input und konstruktive Kritik immer die besten Lösungen hervorbringen.

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SoniControl und Oskar waren nur zwei der vielen tollen Open Souce Projekte, die auf dem Open Minds präsentiert und prämiert wurden. Für mehr Informationen schaut doch einfach auf der Seite www.openminds.at vorbei.

„Are we having fun?“ fragte der Moderator Jeffrey A. "jam" McGuire ganz zu Beginn während der Award Verleihung und Spaß hat man definitiv auf dem Open Minds. So anregend und informativ die Preisverleihung war, so fröhlich, frei und beschwingt war der anschließende Open Source Ball. Bei heimischen Live Acts wie zum Beispiel der Wiener Weltmusik-Band MATATU wurde bis in die Morgenstunden ausgelassen getanzt, vernetzt und gefeiert. Und sollte der Blutzuckerspiegel sinken, gab es sogar – haltet euch fest – eine Candy Bar.

Wo sonst, wenn nicht auf dem Open Minds, kann man exklusive Einblicke in die Welt des Programmierens bekommen und noch dazu so ausgelassen feiern.

Alle sind GewinnerInnen

Das Open Minds ist eine Veranstaltung deren Besuch sich wirklich lohnt. Man bekommt einen wunderbaren Einblick in die österreichische Open Source Szene, trifft inspirierende Persönlichkeiten und lernt jede Menge. Man spürt überall diese Offenheit und den Teamgeist und kommt leicht ins Gespräch mit den vielen motivierten und begeisterten VeranstaltungsteilnehmerInnen.

Eines ist klar: In der Österreichischen Open Source Community wird richtig viel geleistet und wir, die Allgemeinheit, profitieren enorm von der Arbeit, die diese Menschen leisten und dafür haben sie sich wahrlich einen Preis verdient!

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 13.12.2018 bearbeitet.

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