„Detroit: Become Human“ – Wenn Maschinen menschlich werden

Leben
Linda Thomas / 24.10.2018
detroit

Es ist 23:31 und ich bin gerade komplett verblüfft. Warum? Ich habe gerade „Detroit: Become Human“ beendet. Das ist ein Spiel für die Playstation. Die Altersfreigabe ist ab 18 Jahren und das aus gutem Grund. Es ist kein Ego-Shooter Spiel und es ist auch weder gewaltverherrlichend noch beinhaltet es besonders viele Schimpfwörter. Aber in „Detroit: Become Human“ hat jede einzelne Entscheidung, die man trifft Konsequenzen. Jede einzelne. Wie im echten Leben.

Nun, solche Spiele gibt es bereits einige. Aber ich möchte euch erklären, was genau an diesem Spiel so besonders ist. Erst mal zum Inhalt:

Wir befinden uns 20 Jahre in der utopischen (oder dystopischen) Zukunft im Jahre 2038 in der US-amerikanischen Stadt Detroit. Es gibt Menschen, selbst fahrende Autos und Roboter, so genannte Androiden. Diese Androiden sehen aus wie Menschen mit einem blauen LED-Licht an der Stirn. Sie sind DienerInnen (oder Sklaven?) des Menschen und übernehmen alle möglichen Tätigkeiten vom Bau der Kanalisation bis hin zum Babysitting. Der Spieler schlüpft in die Rolle von drei der Androiden: Connor - einem Detektiv, Kara - einem Dienstmädchen und Marcus - einem Altenpfleger. Androiden sind gegenüber den Menschen stark benachteiligt, sie haben keine eigenen Rechte und sind eigentlich nur dazu bestimmt, ihrer Programmierung zu gehorchen.

Deutlich wird das zum Beispiel, wenn Marcus mit dem Bus fährt und er sich in ein eigenes, kleines Abteil ganz hinten im Bus zwängen muss – vorne sind keine Androiden erlaubt. Auch Connor muss wohl oder übel eine Bar betreten, in der Androiden verboten sind. Das ist ganz klar eine Anlehnung an die Apartheid in Südafrika und an die „race segregation“ in den USA. Doch worin liegt das Problem? Androiden sind doch Maschinen und keine Menschen aus Fleisch und Blut. Sie empfinden keine Emotionen. Oder etwa doch? Kara ist Dienstmädchen im Haus vom Hank, einem arbeitslosen, drogenabhängigen, aggressiven Vater. Soll man jetzt als Kara (wie aufgetragen) zusehen wie Hank, seine Tochter Alice verprügelt oder greift man in das Geschehen ein? Natürlich greift man da als SpielerIn ein. Allerdings hat man hier die Grenze überschritten. Kara zeigt nun Mitgefühl, sie lehnt sich gegen ihre Programmierung auf und wird zur Abweichlerin. Connors Aufgabe ist es allerdings AbweichlerInnen zu finden und diese zu eliminieren. Doch hier zeigen sich neue Probleme: Kann Connor seinesgleichen töten? Und wenn er es nicht tut, ist er dann selbst ein Abweichler oder nur eine Maschine mit einem Programmierfehler? Und Marcus? Der bleibt nicht sehr lange Altenpfleger, sondern schafft es in kurzer Zeit Anführer jener Gruppe zu werden, die zur Revolution aufruft und gleiche Rechte und Freiheit für Androiden fordert. Ob er das friedlich tut oder mit Gewalt? Das alles hängt von der Entscheidung des Spielers/der Spielerin ab. Jede einzelne Figur kann jederzeit sterben und wie im echten Leben gibt es keinen Knopf zum Zurückspulen.

Dieses Spiel ist (für mich) nicht nur ein Spiel zur Unterhaltung, sondern es wirft wahnsinnig viele Fragen auf. Was macht den Menschen zum Menschen? Nur weil er denkt und fühlt? Was ist, wenn eine Maschine das auch tut – menschlich wird – wie es der Titel des Spiels schon voraussagt. Was ist sie dann Mensch oder Maschine? Und wenn eine Maschine menschlich wird, hat sie dann die gleichen Freiheiten und Rechte wie der Mensch?

In diesem Spiel lehnen sich die Androiden gegen die Menschen auf – wie gefährlich kann uns die von uns erschaffene Technik werden? Ist sie bereits gefährlich für uns?

Das alles spielt in der Zukunft – wird unsere Zukunft wirklich auch einmal so aussehen?

Ich habe „Detroit:Become Human“ nun zum ersten Mal zu Ende gespielt und habe es noch immer nicht geschafft mir selbst alle diese Fragen zu beantworten. Zum einen, weil dies unfassbar schwere Fragen sind und zum anderen, weil es in diesem Spiel so unfassbar viele Möglichkeiten gibt, sich zu entscheiden und man nie weiß ob sich mit einem Tastendruck nicht alles ändert.

Ich kann das Spiel für alle Interessierten auf jeden Fall weiterempfehlen, denn diese Fragen sind in eine spannende und tolle Storyline eingebunden, die Grafik ist wirklich herausragend gut und ich hatte sehr viel Spaß und Freude beim Spielen.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 23.04.2019 bearbeitet.

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