Die Macht der Worte – Wie Sprache uns tagtäglich manipuliert und was wir dagegen tun können

Wissen
Sarah Emminger / 15.10.2018
Mikrofon

“Das Leben ist weder einfach noch verzwickt, weder klar noch dunkel, weder widerspruchsvoll noch zusammenhängend. Das Leben ist. Die Sprache allein ordnet oder verwirrt es, erhellt oder verdunkelt es, zerstreut oder vereinigt es.” (Antoine de Saint-Exupery)

Sprache. Durch sie sind wir in der Lage, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Wir können ihnen so mitteilen, was wir denken und wie wir fühlen. Worte geben uns die Möglichkeit, unsere Mitmenschen, wie auch die Welt, besser zu verstehen, sei es durch Literatur, Musik oder ein einfaches Gespräch. Dadurch wird unser Leben um einiges leichter. Doch was, wenn der Einfluss, den die Sprache jeden Tag auf uns hat, dafür verwendet wird, unsere Meinung völlig unbewusst zu ändern? Wozu kann Sprachmanipulation führen und inwiefern ist sie ein wichtiges Thema?

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„Manner mag man eben“, „Red Bull verleiht Flügel“, oder „Billa sagt der Hausverstand“ - Werbeslogans wie diese nehmen wir im Radio, Fernsehen, auf Plakaten oder in der Zeitung immer wieder unser Leben auf. Zusammen mit einem visuellen Bild und einem dazugehörigen Gefühl schleichen sie sich in unser Unterbewusstsein ein. Die Absicht von Marketing ist es, die beworbene Firma oder das Produkt fest in den Köpfen der Menschen zu verankern und so bekannt wie möglich zu machen. Dabei spielen in der Präsentation sowohl herausstechende Farben und eingängige Melodien, als auch leicht verständlicher Wortwitz und provozierende „Eye-Catcher“ eine Rolle. All das dient vor allem der Wiedererkennung des Produkts. Die Art der Sprache, die dafür gewählt wird, sollte man niemals als ohne Hintergedanken und nicht durchdacht ansehen.

Politik

„Yes, we can!“ Barack Obamas Wahlkampfrede verhalf ihm unter anderem 2008 zum Wahlsieg. Reden verschiedenster PolitikerInnen auf der ganzen Welt enthalten Elemente der Sprachmanipulation, wurden sie doch meist nicht von den Vortragenden selbst, sondern von speziell für diese Zwecke angestellte RedenschreiberInnen, verfasst. Sie sind natürlich geschult darin, verschiedenste Mittel der Sprache zum Nutzen ihrer AuftraggeberInnen zu verwenden. Dadurch können sie unsere Meinung in eine bestimmte Richtung lenken. Beispielsweise verwenden PolitikerInnen in ihren Reden das Wort „Wir“ sehr häufig, um ein Gemeinschaftsgefühl und Verbundenheit zwischen ihnen selbst und dem Publikum herzustellen. Eine ähnliche Wirkung kann auch Umgangssprache haben. Wenn jemand im Dialekt anstatt in Standardsprache zu einem spricht, kommt dieser manchmal viel volksnäher und zugänglicher rüber. Euphemismen (Beschönigungen) oder Pejorationen (Abwertungen) haben die Aufgabe, einen bestimmten Sachverhalt besonders positiv oder negativ darzustellen. Auch Metaphern, die uns das Gesagte im Kopf präsenter sein lassen, oder Superlative und Verallgemeinerungen, die das Gesagte vor allem vereinfachen sollen, kommen nicht selten in Reden vor.

Die Rolle der Sprache im Nationalsozialismus

Sprachmanipulation ist schon lange ein Teil der Gesellschaft und wird es wahrscheinlich auch weiterhin sein. Vor allem der Zweite Weltkrieg hat uns gezeigt, wozu dies führen kann und wie mächtig der Einfluss von Sprache auf uns ist. Mit Hilfe seines Propagandaminister Goebbels nutzte das Regime Hitlers verschiedene Stilfiguren und Sprachmittel in Reden, Filmen und Werbungen, um das deutsche Volk zu manipulieren und ihm unterwürfig zu machen. Ein Beispiel dafür ist die bekannte, anderthalbstündige „Sportpalastrede“ von Joseph Goebbels, dem Reichspropagandaminister der Nazis, in der er zum „totalen Krieg“ aufruft. Sie enthält beispielsweise zehn rhetorische Fragen, wie „Seid ihr damit einverstanden, dass, wer sich am Kriege vergeht, den Kopf verliert?“, und einen Apell am Schluss. Diese Rede lief in den deutschen und österreichischen Wochenschaukinos. Dort wurde auch das jubelnde Publikum im Sportpalast gezeigt. Alles scheint symmetrisch, geordnet und unter Kontrolle – vom Gebäude selbst bis hin zur Sitzordnung, durch die man vor allem die Kriegsveteranen ganz vorne gut sehen konnte. Selbst sie schienen noch an den Endsieg zu glauben. Die Wahrheit ist, dass das Publikum sehr sorgfältig ausgesucht worden war. GegnerInnen des Kriegs wurden gar nicht eingeladen, aber das restliche Volk wusste das nicht.[1] Diese Inszenierung gab vielen Menschen, die nicht für den Krieg waren, das  Gefühl, in der Unterzahl zu sein.

Was wir dagegen tun können

Weder die Werbeindustrie, noch die Politik wird aufhören, Sprache zu ihrem Nutzen zu verwenden. Alles, was wir tun können, um davon nicht getäuscht zu werden, ist, gut aufzupassen. Wir müssen uns über verschiedenste Sprachmittel und ihre Wirkungen informieren und darüber nachdenken, woher die Worte stammen und welche Absichten dahinterstecken könnten. Nur Aufmerksamkeit und Information können uns  helfen, damit unsere Meinung noch immer die unsere bleibt. Das ist nicht nur wegen der Vergangenheit, sondern vor allem wegen unserer Zukunft wichtig.

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 21.08.2019 bearbeitet.

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