Frauenpower beim Poolbar-Festival

Kultur & Events
Pauline Tagwerker / 29.08.2017
(c) Matthias Rhomberg

Samstag, 22. Juli 2017, 21.30 Uhr. Altes Hallenbad in Feldkirch. Die Veranstaltungshalle füllt sich langsam mit KonzertbesucherInnen. Es wird getuschelt, geredet, getrunken und gelacht. 22.15 Uhr, ein erster vorsichtiger Kopf späht durch den Vorhang, einmal und ein zweites Mal. Und dann betreten 20 Musiker und Musikerinnen die Bühne und beginnen zu spielen. Die Jazzrausch-Big-Band und DJ Radrum. Und wer ist momentan mit ihnen auf Tour? Genau, FIVA. Die tritt auch nach dem Intro der Band auf die Bühne und begrüßt das Publikum mit ihrer herzlichen Art und einem sonnigen Lächeln, getreu ihrem bürgerlichen Namen Nina Sonnberg. „Hallo! So schön, dass ihr da seid!“, ruft sie begeistert und stimmt daraufhin auch gleich das erste Lied an: „Das Beste ist noch nicht vorbei“. Und das Beste ist zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch nicht vorbei. Es folgen Lieder zum Tanzen und Songs zum Nachdenken, man geht ab und steht still in einer Reihe, um bei Liedern wie „Phönix“ keines der wahren Worte zu verpassen, denn man wollte sicher schon bei jedem von uns „Ansichten austreiben und Aussichten antreiben“.

 

(c) Matthias Dietrich

 

FIVA verbindet Musik und Poesie zu etwas Eindrücklichem, etwas Wahrem, das haften bleibt und dazu bringt, zu hinterfragen und auch gewissen Dingen den Kampf anzusagen. Trotzdem verliert sie dabei nie den Kontakt zum Publikum, scherzt, fordert zum Mitsingen und Lockermachen auf oder kommentiert in einer gerade dazu gedichteten Strophe ihren eben gemachten Textpatzer, der eben auch bei oft performten Liedern vorkommen kann. Und als an diesem Abend, nach mehreren lautbeklatschten Zugaben, die letzten Töne von „Die Stadt gehört wieder mir“ erklingen, das Publikum außer sich ist und die Band schweißnass die Bühne verlässt, kann sich FIVA, die vor ein paar Jahren schon einmal in Feldkirch war, sicher sein, dass die Stadt wirklich wieder ihr gehört.

 

Mittwoch, 26. Juli 2017, 19.40 Uhr. Altes Hallenbad in Feldkirch. Der „Pool“ ist noch eher wenig bevölkert, die meisten Leute befinden sich noch draußen auf der Terrasse. Auf der Bühne steht ein einfacher Barhocker, im Hintergrund sieht man ein Schlagzeug. Die erste Musikerin, die hier heute Abend bei der v:tunes:night auftritt, wird das aber sicher nicht brauchen. Mona Ida ist nicht wie alle anderen Künstler des heutigen Abends: Erstens traut sie sich ganz alleine, nur mit einer Gitarre/Ukulele und ihrem Glücksbringer Fred (ein Kapodaster), auf die Bühne. Zweitens ist sie die einzige Frau, die heute auftritt.

 

(c) Mona Ida

 

Mona Ida stammt aus einer recht musikalischen Familie, wie sie sagt. „Wir haben oft zusammen Musik gemacht, mein Vater ist ein super Gitarrist, meine Mutter singt toll und spielt Akkordeon und mein Bruder kann sowieso alles.“ Sie selbst lernt seit fünf Jahren autodidaktisch Gitarre und seit zwei Monaten auch noch Ukulele. Ihren Musikstil beschreibt die Bregenzerin als „ruhig, echt, also von Herzen und manchmal vielleicht ein bisschen experimentell“. Dabei ist ihr eines in Bezug auf das, was sie schreibt besonders wichtig: „Die (Musik) muss mir gefallen, wenn ich da nicht hundertprozentig dahinterstehe, ist es ja nicht echt, und was nicht echt ist, ist auch meistens nicht gut. Dafür freut es mich umso mehr, wenn meine Musik anderen Menschen auch gefällt.“

Als sie am Mittwochabend um 20.00 Uhr auf dem Barhocker Platz nimmt, dem Publikum „Hallo“ sagt und das erste Lied anstimmt, horcht das Publikum auf, wird leiser. Spätestens nach dem zweiten Song ist klar: Ja, dem Publikum gefällt es! Ihm gefällt es sogar so sehr, dass es am Ende zwei Zugaben fordert, die mit lautem Beifall quittiert werden. Und das zu Recht. Mona Ida ist wirklich eine sehr spezielle Sängerin, die eine ganz besondere Stimme besitzt. Singt sie einmal markant, nuancenreich und kräftig, wechselt sie ein anderes Mal zu sanft und hoch, begleitet von den zarten Klängen ihrer Ukulele. Ihre Stimmlage ist aber nicht das Einzige, das sich verändert. Da wird einmal in Englisch, dann in Vorarlberger Dialekt und auch noch in Französisch gesungen. Die Botschaft bleibt aber immer dieselbe: „Musik verbindet. Seid lieb zueinander“.

 

(c) Matthias Dietrich

 

Es ist klar zu sehen, wie viel Spaß es ihr macht, da oben auf der Bühne zu sitzen und zu singen. Da fragt man sich dann auch, woher man eigentlich so viele Ideen und Inspirationen hernimmt? „Mich inspiriert so vieles, meine Freunde, Cafébesuche, Mitternachtsnacktbaden, Museumsbesuche, Metzgereieinkäufe, Regen, verspätete Busse, Menschen…. Beinahe jeden Tag, egal was ich mache, an Ideen fehlt es mir selten. Das Leben hat so vieles zu bieten, und bringt mich immer wieder zum Staunen“, meint die junge Musikerin. Und auf die Frage, was ihr schönstes Erlebnis in Bezug auf Musik sei, hat sie natürlich auch eine Antwort: „Das schönste Erlebnis gibt es nicht. Aber ich genieße die Gänsehaut und die „Ohrgasmen“, die mir Musik manchmal beschert. Außerdem liebe ich es zu jammen, da passieren oft großartige Dinge. Und ich bin sehr dankbar für die Freunde, die ich mit der Musik dazugewonnen habe.“ Mit ihrem freundlichen Lachen, ihrer außergewöhnlichen Musik und ihrem Talent hat sie sich sicher auch an diesem Abend im Alten Hallenbad FreundInnen gemacht. Nochgschaut hon ihra an dem Abend sicher no viele.

 

(c) Matthias Rhomberg

 

Stichwort Poolbar-Festival: Das Poolbar-Festival ist ein Musikfestival in Feldkirch, Vorarlberg, und hat dieses Jahr vom 7. Juli bis 15. August stattgefunden. Mit dabei waren hochkarätige MusikerInnen und Bands (The Pixies, Jake Bugg, FIVA x JRBB, Lola Marsh, Element of Crime und andere). Auch gab es ein breites außermusikalisches Programm mit kulinarischen Events, Open-Air-Kino, Kunstausstellungen, Lesungen, Poetry Slams und anderen Veranstaltungen. Das Poolbar-Festival wird jährlich wiederholt und präsentiert sein buntes Programm nächsten Sommer von 6. Juli bis 18. August 2018.

 

 

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 14.08.2019 bearbeitet.

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