Ja wie heißt denn du?

Leben
Maren Michl / 27.02.2019
Zettel auf dem mit ausgerissenen Buchstaben "Name" steht

Eigentlich sind wir ja ziemlich oberflächlich. Die erste Frage, die wir jemandem stellen, hat nichts mit Hobbys, Interessen oder Persönlichkeit zu tun. Wir fragen nach dem Namen.

Dabei könnte uns im Leben nichts so egal sein wie unser Name, was sagt er schon aus. Man überlegt ihn sich für gewöhnlich nicht selbst und doch ist er ein Teil von uns, den wir selten in Frage stellen und noch seltener wirklich wahrnehmen. Eine Information mit der wir etwas über uns preisgeben, ohne tatsächlich unsere Persönlichkeit zu entblößen. Der Schlüssel mit dem an Schulen oder Behörden unsere Daten verknüpft sind, ein Bote, der selbst keine Geheimnisse in sich trägt, nur die Möglichkeit die des Namensträgers oder der Namensträgerin zu entschlüsseln.

Trotzdem ein enormer Druck der 9 Monate auf den Schultern der Eltern lastet, denn welchen Namen kann man einem Kind heutzutage wirklich noch zumuten?

Zu schwierig sollte er nicht sein, sonst gibt es Frust wenn man in der ersten der/die einzige ist der seinen Namen noch nicht schreiben kann. Zu einfach aber auch nicht, weil wir im 21. Jahrhundert sind und da ja alles ganz unikatig und #speschöl sein muss, aber wenn alle der Regel folgen, sind dann einfache Namen wieder besonders?

Dann noch das Dilemma zwischen langen und kurzen Namen.  Ist der Name zu kurz, kann man keinen Spitznamen dazu bilden und dem Kind werden wertvolle Erfahrungen vorenthalten (oder es bekommt Spitznamen aufgrund seines Aussehens, was dann aber eher in die Kategorie Mobbing fällt). Ist der Name zu lang, können Spitznamen gebildet werden, die einen schönen Namen auf grausamste Weise verunstalten (fällt eigentlich wieder unter Mobbing). Namen die mit X, Y oder Q beginnen, liefern einen Vorteil bei Stadt-Land-Fluss, sind für Kleinkinder allerdings schwer auszusprechen. Apropos Aussprache, muss man in einer von Anglizismen regierten Welt nicht auch darauf achten „R“ - und „Ch“- Laute zu vermeiden, damit zu Friedrich nicht irgendwer „Fwidwik“ sagt?

Ortsnamen waren zwischendurch sehr in Mode, Paris, Chicago und co sind aber momentan von Prominenten in Verwendung und mit Copyrights geschützt. Regionales wie „Wals-Siezenheim“ oder „Gmünd“, wird seltsamerweise nicht so gerne genommen und sein Kind „Favoriten“ zu nennen wäre den anderen Kindern gegenüber auch äußerst unfair.

Von Promis kann man sich übrigens oft inspirieren lassen, ob Apfel, Heiliger oder Norden (Gepaart mit dem Nachnamen „Westen“ sehr kreativ) gibt es alle vorstellbaren und unvorstellbaren Konstellationen.  Ein Beispiel, das meiner Meinung nach noch kreativer ist, stammt von einem berühmten amerikanischen Schauspieler. Sein Name vereint bodenständige Normalität mit einem gelungenen Zusammenspiel aus Vor- und Nachnamen: Tom Hanks. Denn er, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser, kann mit T.Hanks unterschreiben. Danke. Genie und Wahnsinn liegen oft so nah beieinander.

Unter Wahnsinn fallen würde der Hundetrainer, dessen Kinder Anton, Barbara, Claudia und Daniel heißen. Oder wenn Flora, Jasmin und Rose irgendwann die elterliche Gärtnerei übernehmen sollen. Anwaltssöhne namens Justus sind mir leider noch nicht begegnet, auch kein Alpha-Kevin.

Bei all den Witzen muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass ein überseriöser Name genauso nach hinten losgehen kann. Bei der Namensuche sollte nicht nur darauf geachtet werden, ob der Name auf Instagram und Facebook noch frei ist, sondern wie sonderbar man sich dabei fühlen würde, ein Kindergartenkind oder einen 60-jährigen oder eine 60-jährige so anzusprechen.

Ist unser Name also wie ein Barcode, eine Abfolge von Buchstaben, nichtssagend, unwichtig, austauschbar? Nein, es ist unser Name. Der uns seit unserer Geburt begleitet, den wir von unseren Eltern als erstes Geschenk bekommen haben. Der uns mit unserer Familie verbindet, weil er vielleicht auch der Name der Oma war oder den gleichen Anfangsbuchstaben hat wie der des Bruders. Der in 9 Monaten in den Köpfen unserer Eltern entstanden ist und der dich erst zu __________ (Namen hier einfügen) macht.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 26.03.2019 bearbeitet.

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