Mindeststudienzeit – Geht das?

Leben
Lena Haiden / 22.01.2019
Junge Frau in Bibliothek

Mindeststudienzeit: Ein Wort, das auf der Universität immer und immer wieder genannt wird, bis zumindest ich es nicht mehr hören kann. Hier ist meine Schilderung, die Thematik aus der Perspektive einer Studentin, die mitten im Studium steckt…noch in Mindeststudienzeit.

Fragen über Fragen

Eine Frage, die Verwandtschaft nach der Matura gerne stellt, ist: „Was machst du jetzt eigentlich?“ Und wenn man den Weg einer Hochschulbildung gewählt hat, dann nennt man den Namen seines Studiums. Studiert man nicht „irgendwas mit Medien“ oder etwas ähnliches Unvorstellbares, bleibt einem der fünfminütige Vortrag über „Was ist dein Studium eigentlich?“ mit der wunderbaren Frage: „Was machst du damit eigentlich?“ erspart. Aber egal, denn irgendwann kommt die Frage: „Wie lange brauchst du dann dafür?“ Oder auch Studierende fragen sich ständig gegenseitig: „In welchem Semester bist du eigentlich?“

Die Antwort auf diese Frage, wie lange man für sein Studium brauche, ist komplexer als man denkt. Natürlich kann jeder oder jede sein oder ihr Curriculum für sein oder ihr Studium googeln und es nachlesen. Weit muss man im Dokument, das sich etwa so spannend liest wie ein Mietvertrag oder eine Datenschutzgrundverordnung, nicht lesen. Unter Punkt 2 findet sich beispielsweise bei meinem Curriculum die Zeile: „Der Arbeitsaufwand für das Bachelorstudium Deutsche Philologe beträgt 180 ECTS Punkte. […] Das entspricht einer vorgesehenen Studiendauer von sechs Semestern.“ Zücke ich nun den Taschenrechner oder könnte ich vernünftig Kopfrechnen, ist schnell determiniert, dass pro Semester 30 ETCS-Punkte (1 ETCS=25 Arbeitsstunden) erreicht werden müssen.

Die Frage, die sich nun stellt: Ist das realistisch? Kann ich das schaffen? Natürlich ist es schaffbar, aber der durchschnittliche Student/die durchschnittliche Studentin studiert nicht in Mindeststudienzeit. Beispielsweise ist laut einer Wissensbilanz der Universität Wien aus dem Jahre 2015 die durchschnittliche Studiendauer für Bachelorstudien 8,3 Semestern in den Geisteswissenschaften, worunter mein Studium der Germanistik fällt. Im Gegensatz zu den 6 Semestern Mindeststudienzeit. Insgesamt brauchten Studierende in den Studienjahren 2011/12 bis 2013/14 in den Bachelorstudien 8, 0 Semestern.

Nun könnte die Frage stellen: Warum studiert niemand in Mindeststudienzeit? Sind Studenten und Studentinnen wirklich so faul? Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Studierenden und ihre Studien selbst. Es beginnt damit, dass eine reguläre Arbeit schwer mit Vollzeitstudium vereinbar ist, dasselbe gilt wohl für Kinder. Weiters werden viele Studierende am Weiterstudieren durch Voraussetzungsketten gehindert, dies beginnend im ersten Semester mit der STEOP (Studieneingangs- und Orientierungsphase). Sollte man in einem Massenstudium sein, kann es schlichtweg passieren, dass man in ein Seminar oder eine andere prüfungsimmanente Lehrveranstaltung „nicht hineingekommen“ ist.

Die Zahl im Curriculum - sei es nun sechs oder acht Semester - scheint über manchen Studierenden das gesamte Studium über zu hängen und großen Druck aufzubauen während sie möglichst schnell studieren. Ob dies sinnvoll oder nachhaltig ist sei dahingestellt.

So ist meine Antwort auf die Frage: „Wie lange brauchst du dafür?“ - „Die Mindeststudienzeit ist sechs Semester, aber kaum jemand schafft das .“

 

Quellen:

ECTS - für euch erklärt!

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 23.04.2019 bearbeitet.

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