Wahlen woanders – Ecuador

Politik
Barbara Strasser / 31.03.2017
(c) Barbara Strasser

Am 19. Februar 2017 fand in Ecuador die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt, am kommenden Sonntag, den 2. April 2017 ereignet sich die Fortsetzung: die Stichwahl. Mitte Februar gab es noch acht KandidatInnen aus denen sich die zwei Favoriten herauskristallisiert haben: Lenin Moreno und Guillermo Lasso. Doch wer sind sie und wie laufen die Wahlen in Ecuador ab?

Überall das gleiche

Wie man bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich und global gesehen auch am Beispiel vieler anderer Länder sehen kann, liefern sich die PolitikerInnen mit den einfachen Lösungen und die PolitikerInnen mit den richtigen Lösungen in letzter Zeit gerne bei den Wahlen ein Kopf an Kopf rennen. Nun, Ecuador ist hier keine Ausnahme:

Lenin Moreno beweist seit 2006 in der Funktion als Vizepräsident der Republik seine Fähigkeiten. Er ist von derselben, sozialistischen Partei „Alianza País“ wie der jetzige Präsident Raffael Correa, der die ökonomische Lage des Landes in seiner Amtszeit deutlich stabilisieren und die Armut vieler Menschen lindern konnte. Moreno studierte öffentliche Verwaltung, gründete daraufhin sein eigenes Unternehmen, war Direktor und Mitbegründer der Tourismuskammer Ecuadors und war „Director Nacional de Incapacidades“ (Nationaler Direktor für Behinderte; er sitzt seit einem Raubüberfall 1998 in einem Rollstuhl).

Morenos politisches Hauptaugenmerk liegt auf folgenden Punkten: Das Pensions- und Arbeitslosengeld erhöhen, gegen Jugendarbeitslosigkeit und Drogenhandel kämpfen, das öffentliche Gesundheitssystem verbessern sowie öffentliche Schulen und Universitäten bauen. Ein weiteres Ziel ist, allen Kleinkindern in den ersten 1000 Tagen ihres Lebens Zugang zu medizinischer Versorgung und zu genügend Lebensmitteln  zu gewährleisten.

Guillermo Lasso, der schon bei den Präsidentschaftswahlen 2013 angetreten ist, gehört nicht nur der größte Anteil der Bank von Guayaquil, die zweitgrößte Bank Ecuadors, sondern er gehört auch zu den reichsten Menschen der Republik. Nach der Matura arbeitete er in einigen verschieden Unternehmen. Im Jahre 1977 begann er als Manager bei „ProCrédito“, einer Bank die von seinem Schwager gegründet wurde. Lasso kletterte die Karriereleiter hinauf und wurde ein paar Jahre nach dem Zusammenschluss mit der Bank von Guayaquil letztendlich zum Geschäftsführer ernannt. Seinen „Doctor Honoris Causa“ hat er 2011 in drei Semestern Studium nachgeholt.
Er wirbt hauptsächlich mit der Parole „Vamos por el Cambio“. „Cambio“ ist die Veränderung oder auch der Austausch – ein Austausch der Regierung, ein Contra zu dem jetzt herrschenden, sozialistischen Präsidenten, seiner Partei und all seiner Ansichten.
Außerdem, und dies ist für viele Jugendliche ein sehr ausschlaggebender Grund um Lasso zu wählen, will er die Aufnahmeprüfungen für die öffentlichen Universitäten, die jeder der diese besuchen will absolvieren muss, abschaffen und ein „Jede/r-soll-doch-einfach-studieren-was-er/sie-will-System“, ohne Rücksicht auf Fähigkeiten zu nehmen, einführen. Zuletzt möchte er natürlich die Steuern senken und 1 Million Arbeitsplätze schaffen.

How the system works

Diese konservativen Rechtsströmungen sind zwar dumm, aber nicht neu. Was hingegen für einige wahrscheinlich neu ist, ist der Ablauf der Wahlen in Ecuador, der anders ist als in Österreich heute.

So wie bei uns auch dürfen alle (natürlich nur ecuadorianische StaatsbürgerInnen) ab 16 wählen gehen. Aber ab hier wird es interessant: Ab dem 18. Geburtstag ist das Wählen obligat, das heißt jeder Einwohner und jede Einwohnerin muss sein/ihr Kreuzchen machen und damit seine/ihre Stimme abgeben. Tut er/sie das nicht kommen erhebliche Nachteile auf ihn/sie zu, denn dieses Dokument (es sieht eher aus wie ein Lichtbildausweis) muss man vorzeigen wenn man sich z. B. in einer Universität einschreiben oder einen Kredit aufnehmen möchte. Deswegen liegt die Wahlbeteiligung hier bei 81,63 %. Wenn man doch auf sein Kreuzchen verzichten will oder die Wahl vergessen hat, gibt es noch die Möglichkeit eine Strafe zu bezahlen, um an seinen Lichtbildausweis zu gelangen.

Des Weiteren herrscht von Freitagabend bis zum Montag nach der Wahl striktes Alkoholverbot, also sperren die Diskotheken zu und die Läden den Alkohol weg. Übrigens: 1918 bis 1979 gab es in Österreich ein ähnliches Gesetz was den Alkoholkonsum an Wahltagen anging.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 25.06.2019 bearbeitet.

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